Fußball: Mehrere Deja-vu-Erlebnisse bei Rapids K.o. in der Südstadt

Maria Enzersdorf (APA) - Die Tabelle mag noch wenig Aussagekraft besitzen, doch die Art und Weise wie Rapid in eine 1:3-Niederlage gegen Adm...

Maria Enzersdorf (APA) - Die Tabelle mag noch wenig Aussagekraft besitzen, doch die Art und Weise wie Rapid in eine 1:3-Niederlage gegen Admira Wacker schlitterte, lässt im grün-weißen Lager Erinnerungen an die Vorsaison wach werden. Vor allem offenbar bei den Fans, die erneut durch Wurfgegenstände eine Spielunterbrechung provozierten. „Ich muss die Mannschaft jetzt aufbauen“, betonte Trainer Goran Djuricin.

Rapid bezog gegen die Admira die erste Niederlage in dieser Saison. Doch nicht nur am Sonntag, auch bei den anderen Auftritten in diesem Sommer war ein Trend nicht von der Hand zu weisen: Die Hütteldorfer praktizieren teilweise sehenswerten Ballbesitz-Fußball, schaffen es aber nicht oft genug, die vorhandenen Chancen in Tore umzumünzen. Die Spielkultur, auf die Djuricin so viel Wert legt, brachte bisher wenig Zählbares ein.

„Es ist so, dass wir sehr ineffizient waren“, fasste der Wiener die erste Hälfte in der Südstadt zusammen. „Wir hatten vier gute Möglichkeiten, aber durch einen Eigenfehler haben wir das Tor bekommen. Die Admira hatte, glaube ich, keinen einzigen Torschuss, wir hatten fast achtzig Prozent Ballbesitz, das sagt eh alles. So eine Partie muss man mal heimspielen“, urteilte er im Sky-Interview. „Ich verstehe nicht, wie man so ein Spiel aus der Hand geben kann.“

In der Defensive fallen andererseits Schwächen auf, vor allem mit Fortdauer des Spiels. Gegen die Admira kassierte Rapid zum dritten Mal in dieser Saison zwei Tore nach dem Seitenwechsel. Von den acht Gegentreffern in der Saison fing sich die Truppe sieben nach der Pause ein - das könnte auch ein Hinweis auf Ermüdungserscheinungen durch falsche Trainingssteuerung sein. „Wir dürfen einfach nicht so viele Eigenfehler machen“, meinte Djuricin und gab zu, dass in der zweiten Hälfte „ein bisschen die Spritzigkeit“ gefehlt habe.

Individuelle Fehler in der Abwehr haben ihren Teil zu einer verkorksten Vorsaison beigetragen. Die Verkettung von eigenem Unvermögen und Pech ließ Spieler und Fans am Sonntag wieder an Partien aus der jüngeren Vergangenheit denken. „Leider erinnert das ein bisschen an die Spiele von letzter Saison, was wir heute gezeigt haben“, gestand Kapitän Stefan Schwab.

Noch sei aber kein Feuer am Dach. „Wir müssen über die Niederlage reden und schauen, was wir besser machen können. Aber die Welt wird nicht untergehen“, kalmierte Djuricin. In der Spielzeit 2016/17 lag Rapid zu diesem Zeitpunkt unter Chefcoach Mike Büskens mit neun Punkten auf dem zweiten Platz. Ein Jahr später ist man Fünfter mit fünf Punkten, Tabellenführer Sturm Graz bereits sieben Zähler entfernt. Von einem Fehlstart wollte Djuricin jedoch nicht explizit sprechen: „Ich habe nichts davon, wie man es benennt.“

Akuter Handlungsbedarf herrscht aber offenbar, wenn man sich das Verhalten von Teilen der eigenen Fans vor Augen führt, die zum zweiten Mal binnen acht Tagen einen Bundesliga-Schiedsrichter dazu brachten, eine Begegnung zu unterbrechen. Wie schon gegen die Wiener Austria flogen Getränkebecher und andere Gegenstände auf das Spielfeld, darunter Fahnenstangen, wie TV-Bilder belegten.

Rapid-Sportchef Fredy Bickel wollte die Anhänger nicht in Schutz nehmen und forderte harte Konsequenzen. Die Entscheidung von Robert Schörgenhofer konnte er aber nicht nachvollziehen. „Das Spiel zu unterbrechen, verstehe ich nicht. Beide Trainer haben mit ihm gesprochen, dass er das nicht machen soll“, sagte der Schweizer. „Für uns war es ein Nachteil“, befand auch Admira-Kapitän Daniel Toth.

„Ich verstehe den Unmut der Fans, aber natürlich hat das nichts verloren, dass man irgendwas auf den Platz wirft. Ich kümmere mich um Sportliches, da ist genug zu tun“, meinte Djuricin, der nach dem Schlusspfiff selbst aufgebracht war. Er habe sich von einem Admira-Betreuer provoziert gefühlt, erklärte er nachher im Fernsehinterview, warum Rapids Pressechef beruhigend auf ihn einwirken musste.

Präsident Michael Krammer argumentierte unterdessen die Einschaltung der Ethikkommission der Bundesliga wegen der Forderung von Austria-Vorstand Markus Kraetschmer nach harten Strafen für die Hütteldorfer. „Als Aufsichtsrat der Bundesliga und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Austria ist das eine Einflussnahme auf den Senat 1, der eigentlich unabhängig agieren soll“, kritisierte Krammer.


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