Hund und Herrl im selben Grab bestatten?

Ein Linzer Theologe schlägt die christliche Beerdigung von Vierbeinern vor. Das Verbrennen toter Haustiere ist weit verbreitet.

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Linz, Innsbruck –Am Verhältnis zwischen Mensch und Tier scheiden sich die Geister. Für die einen sind Vierbeiner eben nur Tiere, andere sehen in ihnen viel mehr: ein Familienmitglied oder gar einen Partnerersatz. Dass ein liebgewordenes Tierchen nach dessen Tod nicht einfach der Kadaververwertung überantwortet wird, ist selbst für Skeptiker überzogener Tierliebe nachvollziehbar. Sollen sie aber gar im selben Grab wie Frauerl und Herrl begraben werden?

Ein Vorstoß in diese Richtung kommt vom Moraltheologen Michae­l Rosenberger, Professor an der Katholischen Privat­universität in Linz. Per Aussendung tritt er dafür ein, auch Haustiere „christlich zu bestatten“. Tiere, zu denen ein enges Verhältnis bestand, im Familiengrab zu beerdigen, ist für Rosenberger ebenfalls vorstellbar. Er rüttelt damit an einem Tabu.

Der Theologe betont, dass Tierbestattung aus Sicht der katholischen Lehre nicht verboten sei. Überdies seien schon vor Tausenden Jahren rituelle Tierbestattungen Usus gewesen. Einsame Menschen, aber auch Familien und Kinder sollten auch in moderner Zeit die Chance erhalten, sich von ihren Lieblingen zu verabschieden. Symbole traditioneller Begräbnisse könnten dabei zum Einsatz kommen, meint Rosenberger. Er denkt dabei an Osterkerze, Kreuz und Weihwasser.

Bei Tirols bekannter Tierfreundin Inge Welzig läuft Rosenberger offene Türen ein. „Für mich ist es gut vorstellbar, dass ein Hund, der seinen Halter überlebt, nach dem Tod in dasselbe Grab kommt“, so Welzig. Allerdings nur nach erfolgter Verbrennung und in einer Urne.

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Um eine solche Beerdigung zu ermöglichen, müsste die Amtskirche überzeugt und das Gesetz geändert werden. Denn aktuell sind Tierkadaver von speziellen Betrieben zu entsorgen.

Ausgenommen sind gewisse Haustiere, wie die Landesveterinärdirektion mitteilt. Heimtiere wie Hund, Katze, Kaninchen oder Meerschweinchen dürfen vom Tierhalter auf dessen eigenem Grund beerdigt werden. Voraussetzung: Die Tiere tragen keine Seuche und sind nicht seuchenverdächtig.

Nutztiere wie Pferde, Esel, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner, Puten, aber auch Enten, und Tauben dürfen vom Tierhalter nicht vergraben werden. Hier sind besagte Fachbetriebe am Zug.

Doch zurück zum verblichenen Hund „Flocki“ oder Kater „Murli“: Für Haustiere wie diese gibt es in Wien einen eigenen Friedhof (in Deutschland sind es deren schon 120). Und das Verbrennen von Haustieren im Krematorium ist längst keine ausgefallene Idee mehr, sondern weit verbreitete Praxis. Auch in Tirol.

Auf 800 bis 900 Aufträge pro Jahr kommt etwa Empresario Neurauter, ein Tier-Bestattungsunternehmen mit Sitz in Innsbruck. Meist handelt es sich um Hunde und Katzen, aber auch Vögel und Nagetiere, ja sogar Schlangen werden zur Verbrennung übergeben.

In Westösterreich gibt es kein Tierkrematorium (und auch keinen Tierfriedhof). Daher fährt Neurauter mindestens einmal pro Woche ins Krematorium nach München. Die Asche ihrer Lieblinge wird den Tierhaltern in einer Urne übergeben. Kosten: ab 95 bis zu einigen hundert Euro. Die Urnen werden im Garten vergraben oder in der Wohnung aufgestellt. Oder die Asche wird verstreut. (mark)


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