Salzburger Festspiele: Frauenpower auf Originalinstrumenten

Salzburg (APA) - Starke Frauen standen gestern, Sonntag, beim Liederabend von Sonya Yoncheva im Rahmen der Salzburger Festspiele im Großen S...

Salzburg (APA) - Starke Frauen standen gestern, Sonntag, beim Liederabend von Sonya Yoncheva im Rahmen der Salzburger Festspiele im Großen Saal der Stiftung Mozarteum im Mittelpunkt. Von Kleopatra bis Venus sang und spielte sie zu den Klängen der Academia Montis Regalis unter der Leitung von Alessandro De Marchi.

Glücklich, trauernd, verführerisch. Sonya Yoncheva zeigt die verschiedensten Emotionen und Charakterzüge darstellerisch wie stimmlich. Kleopatra singt sie in drei Arien aus Händels „Giulio Cesare“, gekleidet in einer prächtigen, goldenen Robe, und auch der typische Lidstrich der ägyptischen Königin darf nicht fehlen. Dazu kokettiert sie mit Publikum und Dirigent, sitzt, steht und lehnt sich lasziv ans Cembalo. Von dem aus dirigiert Alessandro De Marchi und wird Teil der Performance. Die Flirtversuche seiner Sängerin beeindrucken ihn wenig. Der Dirigent ist vollkommen bei seinen Musikern. Trotz allem gibt es nach den Arien ein Küsschen für Kleopatra.

Yoncheva hat ein weiches und samtiges Timbre, das besonders gut in den mittleren Lagen wirkt. Rameaus Arie „Tristes apprets, pales flambeaux“ passt gut dazu. Voller Traurigkeit wehklagt sie die Töne und spürt ihnen feinfühlig hinterher. Ganz anders dagegen geht sie an die zweite Arie des Komponisten, „Forets paisible“ heran. „Bewaffnet“ mit einem Tamburin tanzt und wippt sie sich durch die Arie, die übersetzt „friedliche Wälder“ heißt. Die durchforstet sie mit dem Temperament einer Carmen, aber auch die war bekanntlich eine starke Frau.

Die Academia Montis Regalis spielt zwischen den Arien die Ouvertüren aus der Oper, der die Arien entstammen. De Marchi führt seine Musiker gewissenhaft durch die Stücke, und der Klang der Originalinstrumente passt sich perfekt an den Raum an. Besonders gut zeigt das Orchester seine vielseitigen Klangfarben in der Ouvertüre von Händels „Alcina“, die aus drei Teilen besteht, und besonders den letzten bringt es mit großem Schwung und fröhlichem Charakter.

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Nach vielen Emotionen und Momenten klingt das Konzert ganz leise aus. Yoncheva singt Henry Purcells „Thy hand, Belinda“ voller Sanftheit und steigt dazu langsam ins Publikum herab, wo sie schließlich stehen bleibt. So wirkt ihre Stimme ganz gerade und ehrlich. Sie beweist damit, dass große Stimme keine Show braucht, um zu begeistern. Nach dieser Einkehr bricht großer Applaus über sie herein, den sie mit drei Zugaben belohnt und mit dem Satz „Jetzt gibt‘s Champagner“ beendet. Darauf ein Toast!

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)


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