Internationale Pressestimmen zu US-Präsident Donald Trump

Washington (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Montag das Verhältnis von Präsident Donald Trump zu Rechtsextremisten in den USA folgen...

Washington (APA/dpa) - Die Zeitungen kommentieren am Montag das Verhältnis von Präsident Donald Trump zu Rechtsextremisten in den USA folgendermaßen:

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Der Rassenkonflikt plagt das Land wie ein Krebsgeschwür, unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt. Dass Amerika seine Vergangenheit sträflich schlecht aufgearbeitet hat, rächt sich. Gleichzeitig ist nicht von der Hand zu weisen, dass Trumps Wahl den Ultrarechten neuen Auftrieb verliehen hat: Im Wahlkampf flirtete er mit deren Gedankengut und griff mit Slogans wie „Wir holen uns unser Land zurück“ ihre Rhetorik auf. Zu lange zögerte Trump auch, sich von dem Neonazi und ehemaligen Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke zu distanzieren. Sich die Stimmen der Rechten zu sichern, war zu verlockend im Wahlkampf. Nicht von ungefähr marschierten die Ultrarechten am Samstag mit Trumps Wahlplakaten und gelobten, dessen Versprechen nun umzusetzen.(...)

Trump ist nicht verantwortlich für den jüngsten Konflikt, aber durch seine Wahl fühlen sich die Ultrarechten in ihren Forderungen bestätigt. Der Präsident muss nun explizit die Taten der Suprematisten verurteilen und ihnen mit der Macht seines Amtes einen Riegel vorschieben. Nur so kann er sich klar von ihnen und ihren Verbrechen distanzieren.“

„Guardian“ (London):

„Man kann sich keinen US-Präsidenten der jüngeren Geschichte vorstellen - egal von welcher Partei -, der auf die Neo-Nazis und Anhänger der Vorherrschaft der weißen Rasse in Charlottesville mit etwas anderem als mit Abscheu und einer klaren Verurteilung reagiert hätte. Keinen einzigen, bis auf diesen. (...) Es fällt schwer zu glauben, dass das ein Versehen von ihm war, und die Sache lediglich als erneuten Beweis für Trumps mangelnde Eignung als Präsident abzutun. Trumps Geschwätz war völlig beabsichtigt, bis die Reaktionen das Weißen Haus beunruhigten. Die Sorge ist, dass seine Wahl zornigen weißen Leuten Auftrieb gegeben hat - einschließlich jener, die sich „Alt-Right“ (alternative Rechte) nennen, aber eigentlich als das bezeichnet werden sollten, was sie sind, nämlich weiße Rassenfanatiker. Man kann nur hoffen, dass dieses unehrenhafte und moralisch beschämende Verhalten genügend anständige Amerikaner dazu bringt, ihm nie wieder zu trauen. Leider gibt es jedoch im heutigen Amerika nur wenig Gründe für solchen Optimismus.“

„Diena“ (Riga):

„Viele Analysten hatten von Anfang an keine Zweifel daran, dass die Behörden von Charlottesville mit der Entscheidung, das Denkmal für den Konföderierten-General Robert E. Lee zu demontieren, bewusst auch Möglichkeiten für Konflikte geschaffen haben. Angenommen wird, dass die Provokation der US-Südstaaten (die in der US-Präsidentenwahl mehrheitlich Donald Trump unterstützt haben) ein anderer Weg ist, um den Stuhl des Präsidenten ins Wanken zu bringen. Speziell unter den Verteidigern des Denkmals befinden sich praktisch ausschließlich Personen, die für Trump gestimmt haben. Doch ist es für diesen schwierig, seine Wähler öffentlich zu verurteilen. Bleibt nur die Frage, wie und ob diese Büchse der Pandora auch wieder geschlossen werden kann.“


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