Gage für Prince-Konzert floss erst nach sechs Jahren

100.000 Euro hat ein Tiroler Anwalt für eine Wiener Musikagentin erkämpft. Sie hatte einen Prince-Auftritt mit 45.000 Zusehern eingefädelt.

Der letztes Jahr verstorbene Superstar Prince trat 2011 bei einem Festival in Budapest auf. Eine Österreicherin hatte dies möglich gemacht, sollte aber um ihre Provision umfallen.
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Innsbruck, Wien, Budapest – Einst selbst Gitarrist in einer Tiroler Band, hat der Innsbrucker Rechtsanwalt Gerd Pichler schon etliche Verfahren wegen Gagenstreitigkeiten und vorenthaltener Provisionen geführt. Und so wurde an Pichler der knifflige Fall einer Musik­agentin herangetragen. Der Wienerin mit allerbesten Kontakten zur internationalen Musikszene war im Jahr 2011 das scheinbar Unmögliche gelungen: die Vermittlung des damaligen Pop-Königs Prince ins Nachbarland Ungarn – nämlich zum in Budapest veranstalteten Sziget-Festival 2011.

Die Vorbereitungen und das ganze Einfädeln des Deals war allein eine Sache der Beziehungen zum Musikgeschäft und der Prince-Agentur. Das Interesse am Auftritt war darauf so groß, dass die Ungarn sogar eine Vertragsstrafe von 200.000 US-Dollar an jene polnische Künstler-Agentur überwiesen hatten, die eigentlich die Exklusiv-Rechte an Prince in Osteuropa hielt.

Als der Auftritt durch die Österreicherin bereits „eingefädelt“ war, traten die Ungarn fortan direkt mit der Prince-Agentur in Kontakt. Schon Tage später verneinten sie der Vermittlerin darauf jeglichen Provisionsanspruch. Argumentiert wurde damit, dass man in der 20-jährigen Geschichte des Festivals noch nie über die Gage an die Künstleragentur hinausgehende Provisionen geleistet habe. Deshalb solle sich die Wienerin als Agentin mit ihrer Provisionsforderung doch an die Prince-Agentur wenden. Auch sei nicht nur sie am Zustandekommen des Auftritts beteiligt gewesen.

Eine schwierige Situation für die Österreicherin, die sich schon mit einer Klage in Ungarn konfrontiert sah. Anwalt Pichler brachte die Causa aber dennoch ans Wiener Handelsgericht, da er die Anwendung des „Römischen Vertragsrechtsübereinkommens“ geltend machte, wonach in dem Staat geklagt werden darf, „wo die Partei ihren Sitz hat, die eine vertragscharakteristische Leistung erbracht hat“. Da es in Österreich aber nicht einmal einen Gerichtssachverständigen zu Angelegenheiten solcher Musikagenturen gibt, befand man sich dennoch auf unsicherem rechtlichen Terrain. Und da zog Pichler das Maklergesetz für den Fall heran. Auch das Handelsgericht sah es dann so, dass „Verdienstlichkeit im Sinne des Gesetzes darin besteht, einen adäquaten Beitrag zum Vertragsabschluss zu leisten. Prinzipiell sei auch die Vermittlungstätigkeit eines Maklers mit dem Geschäftsabschluss abgeschlossen.“ Und da stand nach umfangreichem Ermittlungsverfahren außer Zweifel, dass der ursprüngliche Auftrag an die Klägerin lautete, einen Vertrag zu vermitteln, in dem ihre Provision bereits enthalten war. Um die Höhe zu ermitteln, behalf sich Pichler mit einer Umfrage bei europäischen Musikagenturen. Diese ergab letztlich eine Provision von fünf Prozent für den Millionenauftrag. Mit Anwaltskosten flossen so nun nach sechs Jahren 100.000 Euro von Ungarn nach Wien. Der im letzten April verstorbene Prince hat das Verfahrensende nicht mehr erlebt. (fell)

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