Tschechien zieht mit Polen nicht mit - Keine Reparationen von Berlin

Prag/Warschau/Berlin (APA) - Im Gegensatz zu Polen will Tschechien keine Reparationszahlungen von Deutschland für die Verbrechen im Zweiten ...

Prag/Warschau/Berlin (APA) - Im Gegensatz zu Polen will Tschechien keine Reparationszahlungen von Deutschland für die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg fordern. Das versicherten Spitzenpolitiker in Prag laut der Tageszeitung „Lidove noviny“ am Montag. Staatspräsidenten Milos Zeman verwies auf die im Jänner 1997 unterzeichnete tschechisch-deutsche „Schlussstrich-Erklärung“. Die Forderung Polens wolle er indes nicht kommentieren.

In der „Schlusstrich-Erklärung“ bekannten sich Prag und Berlin zu ihrer geschichtlichen Verantwortung, erklärten aber auch, die gegenseitigen Beziehungen nicht mit der Vergangenheit belasten zu wollen. „Ich schätze diese Erklärung sehr“, so Zeman laut dem Medienbericht.

Auch für Außenminister Lubomir Zaoralek ist durch die Erklärung die Frage der Reparationszahlungen „klar“ abgeschlossen. „Wir haben die Vergangenheit den Historikern überlassen und uns gesagt, dass wir uns der Zukunft widmen werden. Dies hat sich für uns sehr gelohnt und es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern“, meinte der Sozialdemokrat Zaoralek.

Der Chef der oppositionellen Bürgermeisterpartei (STAN) Petr Gazdik lehnt ebenfalls Reparationsforderungen ab: „Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind 72 Jahre vergangen. Wie lange sollen wir uns dieser Fragen noch widmen?“

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Nazi-Deutschland hatte im Oktober 1938 zunächst die Sudetengebiete annektiert. Im März 1939 marschierte die Wehrmacht dann in Prag ein. Juden und Regimegegner wurden verfolgt oder ermordet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei enteignet und vertrieben. Viele Vertriebene forderten jahrelang die Rückgabe ihres Eigentums.

Mehrere polnische Politiker haben vor kurzem das Thema der Reparationszahlungen von Deutschland an Polen wieder ins Gespräch gebracht. Formal habe Polen nie auf Entschädigungen verzichtet, erklärte etwa Vize-Verteidigungsminister Bartosz Kownacki Anfang August.


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