Trumps Ausputzer - US-Vize Pence auch bei Charlottesville zur Stelle

Washington (APA/AFP) - Seit sieben Monaten ist Mike Pence der Ruhepol in der US-Regierung. Der erfahrene Polit-Profi glättet immer wieder di...

Washington (APA/AFP) - Seit sieben Monaten ist Mike Pence der Ruhepol in der US-Regierung. Der erfahrene Polit-Profi glättet immer wieder die Wogen, die sein impulsiver Chef aufwühlt. Auch als US-Präsident Donald Trump eine eindeutige Verurteilung der Ausschreitungen rechtsextremer Gruppen vom Wochenende vermissen lässt, ist Pence zur Stelle und verteidigt seinen Vorgesetzten.

Obwohl Pence bisher keinen Zweifel an seiner Loyalität zu Trump aufkommen lässt, werden ihm höhere Ambitionen nachgesagt. Einen Bericht, wonach er sich hinter den Kulissen bereits als Trumps Nachfolger in Stellung bringt, wies Pence aber kürzlich empört zurück.

Trump hatte nach den Ausschreitungen rechtsextremer Gruppen in Charlottesville eine klare Schuldzuweisung zunächst vermieden und stattdessen die „Gewalt auf vielen Seiten“ kritisiert. Pence hingegen verurteilte eindeutig den „Hass und die Gewalt“ der Rechtsextremen und betonte, diese „gefährlichen Randgruppen“ hätten keinen Platz in den USA. Gleichzeitig verteidigte er Trump. Auch der US-Präsident habe sich „klar und eindeutig“ geäußert.

Pence hat seine Rolle als loyaler Vertreter des aufbrausenden Polit-Quereinsteigers Trump gefunden. Während in Trumps Äußerungen oftmals kein Platz für Zwischentöne bleibt, bemüht sich der Vizepräsident um professionelle Sachlichkeit, so zuletzt in der Venezuela-Krise, als Trumps Drohungen in Richtung Caracas für Aufsehen sorgten. Pence hingegen betonte am Montag das Interesse der USA an einer friedlichen Beilegung der Krise, ohne dabei die von Trump ins Gespräch gebrachte „militärische Option“ auszuschließen.

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Pence bewies bereits im Wahlkampf seinen Nutzen als verlässlicher und wortgewandter Weggefährte. Der Ex-Gouverneur und langjährige Kongressabgeordnete steuert die politische Erfahrung bei, die Trump und einem Großteil seines Teams fehlt. Als evangelikaler Christ stellt der Vize zudem ein wichtiges Bindeglied zur religiösen Rechten dar. Eine seiner Hauptaufgaben besteht darin, die Beziehungen des Weißen Hauses zum Kongress zu pflegen, wo nicht nur unter den oppositionellen Demokraten, sondern auch unter den Republikanern wegen Trumps turbulenter Präsidentschaft große Unruhe herrscht.

In seiner besonnenen und zurückhaltenden Art stellt der Vizepräsident den charakterlichen Antipoden zu Trump dar - weshalb ihn viele im derzeitigen Regierungschaos als Stabilitätsanker sehen. Im Temperament seines Chefs sieht Pence offenbar kein Problem. In einem Interview bezeichnete er es sogar einmal als „erfrischende“ Eigenschaft von Trump, „dass er sagt, was er denkt“.

In der Affäre um die Russland-Connection der Trump-Mannschaft kamen Anfang des Jahres einige Zweifel daran auf, ob der Vizepräsident zum allerengsten Zirkel um den Präsidenten gehört. Denn Pence blieb beim internen Informationsfluss über die dubiosen Telefonate von Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn mit dem russischen Botschafter offenbar wochenlang außen vor. Und als im Juli ein dubioses Treffen von Trumps Sohn Donald Jr. mit einer russischen Anwältin publik wurde, war Pence um Distanz bemüht. Er habe von dem Gespräch während des Wahlkampfs nichts gewusst, ließ er mitteilen.

Seine Loyalität zu seinem Chef steht aber offenbar außer Zweifel. Einen Bericht der „New York Times“, wonach Pence bereits seine Kandidatur für die Zeit nach Trump vorbereitet, wies er in der vergangenen Woche empört zurück. Die Zeitung hatte berichtet, dass der Vizepräsident heimlich ein Spendenkomitee eingerichtet habe für seine eigene Wahlkampagne. Doch Pence stellte klar, dass er sich weiterhin für eine Wiederwahl Trumps einsetze. Anderslautende Behauptungen seien „absurd und lächerlich“.


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