Hypo-Prozess um Fairness-Opinion: Videokonferenz mit London

Klagenfurt/London (APA) - Im Hypo-Prozess um die Fairness-Opinion ist Montag am Landesgericht Klagenfurt ein Banker der HSBC, die das Gutach...

Klagenfurt/London (APA) - Im Hypo-Prozess um die Fairness-Opinion ist Montag am Landesgericht Klagenfurt ein Banker der HSBC, die das Gutachten erstellt hatte, in London per Videokonferenz befragt worden. Er bestätigte die Aussagen seines Kollegen, der im Juli ausgesagt hatte, die Fairness Opinion sei großteils über die Vienna Capital Partners abgerechnet worden, weil die Landesholding nur 60.000 Euro habe zahlen können.

In dem Untreue-Verfahren wird dem Investmentbanker Heinrich Pecina sowie den Ex-Hypo-Vorständen Wolfgang Kulterer, Josef Kircher und Tilo Berlin vorgeworfen, die Hypo Alpe Adria-Bank im Jahr 2007 mit Scheinrechnungen für eine Fairness-Opinion um 4,3 Mio. Euro geschädigt zu haben. Die Fairness Opinion war im Zusammenhang mit dem Verkauf der Hypo-Anteile an die Bayerische Landesbank notwendig gewesen.

Das Gutachten war von der internationalen Investmentbank HSBC erstellt worden und hätte von der Kärntner Landesholding (KLH) als Verkäuferin gezahlt werden müssen. Die Kosten trug jedoch die Hypo. Der Deal wurde über Pecinas Vienna Capital Partners (VCP) abgewickelt. Pecina hat ein Geständnis abgelegt, er sei von der Hypo aufgefordert worden, dafür Scheinrechnungen zu stellen und habe das auch gemacht. Die anderen Angeklagten bestritten jede Schuld.

Der Zeuge sagte, am 24. April 2006 von Kulterer vom geplanten Anteilsverkauf und der notwendigen Fairness Opinion erfahren zu haben. Sehr bald danach habe man über die Kosten gesprochen, das seien zwei bis drei Millionen Dollar gewesen. Er habe gewusst, das die KLH als öffentlicher Rechtsträger dieses Gutachten brauchte, habe jedoch nicht direkt mit der Holding verhandelt, sondern mit seinem Kollegen in der HSBC und einem Mitarbeiter der VCP gesprochen.

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Darüber hinaus erinnerte er sich, dass die KLH nur 60.000 zahlen konnte, daher habe man ein Arrangement über die Abrechnung gefunden. So sei die Lücke zur tatsächlichen Höhe des Honorars über die VCP geschlossen worden. Denn die HSBC habe der VCP einen Betrag in ungefähr dieser Höhe für ein Geschäft aus dem Jahr 2006 geschuldet, dieser sei nun gegengerechnet worden und scheine daher in der Buchhaltung auch nicht unter dem Titel „Fairness Opinion“ auf. In Summe habe die HSBC so 2,2 Mio. Euro für die Erstellung des Gutachtens bekommen. Bei der VCP habe man erklärt, diesen Betrag dann über künftige Geschäfte unter anderem mit der Berlin & Co wieder hereinholen zu wollen, sagte der Zeuge. Dass die Hypo die Kosten hätte übernehmen sollen, sei in den Gesprächen nie Thema gewesen.

Auf Nachfrage durch die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Sabine Roßmann, erklärte der Zeuge, er wisse nicht mehr, wer der HSBC den Auftrag zur Erstellung der Fairness Opinion schlussendlich gegeben habe. Im Juli war das Dokument dann fertiggestellt. Man habe der KLH 60.000 Euro in Rechnung gestellt und das Geld bekommen. Darüber hinaus habe die HSBC seiner Erinnerung nach im Zusammenhang mit der Fairness Opinion keine weiteren Rechnungen mehr abgeschickt. Dass die VCP 3,8 Mio. Euro netto für das Gutachten der Hypo in Rechnung stellte, habe er zum damaligen Zeitpunkt nicht gewusst. Die VCP habe bei der Fairness Opinion nicht mitgearbeitet, sie sei jedoch in die Kommunikation eingebunden gewesen und habe geholfen, Informationen von der Bank zu erhalten.

Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt, möglicherweise wird es auch ein Urteil geben.

~ WEB www.heta-asset-resolution.com ~ APA297 2017-08-14/16:04


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