Internationale Pressestimmen zu US-Präsident Donald Trump

London/Washington/Madrid (APA/dpa) - Zur späten Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf die rechte Gewalt in Charlottesville schreiben di...

London/Washington/Madrid (APA/dpa) - Zur späten Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf die rechte Gewalt in Charlottesville schreiben die Zeitungen am Dienstag:

„Times“ (London):

„Die Worte waren angemessen, aber bei seinen Unterstützern wird die Verspätung, mit der sie geäußert wurden, in Erinnerung bleiben. Und das Gefühl, dass der Präsident nur getan hat, was erforderlich war, und nicht, was er fühlte. (...) Donald Trump und einige Mitglieder seines Teams haben dieses Spielen auf Zeit offensichtlich für vorteilhaft gehalten. Sein Chefstratege Steve Bannon betrieb eine Website, auf der ein Trump-Gegner unter den Republikanern zum „abtrünnigen Juden“ erklärt wurde. Bannons Einsatz mag Trump geholfen haben, das Weiße Haus zu erobern. Doch die Auswirkungen zeigen sich nun beispielhaft in den Straßen von Charlottesville. Dass der Präsident erst so spät reagiert hat, beschmutzt die politische Kultur einer unverzichtbaren Nation.“

„El Pais“ (Madrid):

„Von allen Schäden, die Donald Trump dem nordamerikanischen Präsidentenamt zufügt, ist der moralische der größte. (...) Nichts im vergangenen Jahrhundert ist vergleichbar mit dem Unwillen dieses amerikanischen Präsidenten, rassistischen Terrorismus beim Namen zu nennen. (...) Endlich, nach 48 Stunden, hat er sich gestern zu einer Verurteilung durchgerungen, nachdem seine Mitarbeiter ihn fast dazu zwingen mussten. In einer kurzen Erklärung sagte er „Rassismus ist böse“, dann ging er, ohne Fragen zuzulassen oder irgendeine Emotion zu zeigen. (...) Die große Frage ist, wann sich die 60 Millionen traditionellen Republikaner endlich bewusst werden, dass sie bei der Wahl für jemanden gestimmt haben, der zwar vielleicht keinen Rassismus praktiziert, aber ihn doch auf gefährliche Weise toleriert.“

„de Volkskrant“ (Amsterdam):

„Dass der Kampf gegen den Rassismus in den USA längst nicht gewonnen ist, war bereits durch exzessive Polizeigewalt (gegen Afroamerikaner) deutlich geworden, die zur Entstehung der Protestbewegung „Black Lives Matter“ führte. Aber auch die dagegen verordnete Medizin - eine „Diversifizierung“, die notfalls erzwungen wurde - ruft manchmal Gegenkräfte hervor, und zwar nicht nur in extremistischen Kreisen. Ein „divers“ aufgestellter Polizeiapparat ist zwar ein Muss, aber erfordert nicht ein umstrittenes Denkmal wie jenes in Charlottesville eher eine öffentliche Debatte als eine unvermittelte Aktion (zum Abriss)?

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Der ultrarechte Extremismus in Charlottesville hat glücklicherweise weithin Bestürzung ausgelöst. Aber die öffentliche „Rückkehr“ weißer Männer mit Fackeln in den Süden der USA signalisiert, dass die in sozialen Medien stattfindende Polarisierung immer leichter auf die Straße vordringt. Das ist umso gefährlicher angesichts eines Präsidenten, der auf der Welle eben dieser Polarisierung gewählt wurde und anscheinend keine große Rolle bei deren Eindämmung spielen will.“

„Pravda“ (Bratislava):

„Die Karriere von Donald Trump säumen Lügen, Erfindungen und Halbwahrheiten. Er kämpft angeblich gegen Medien und Eliten. Seine Rhetorik wirkt wie aus einem Handbuch für Extremisten-Anfänger entnommen. Wen wundert da noch, dass junge, meist weiße Amerikaner Fackeln anzünden, mit Hitlergruß aufmarschieren und dabei ihr Recht auf freie Meinungsäußerung einfordern?

Warum hat jemand erwartet, dass Trump ehrlich die extreme Rechte kritisieren werde? Es war doch schließlich gerade er, der jahrelang rassistische Verschwörungstheorien unterstützte wie etwa die Behauptung, Barack Obama sei gar nicht in den USA geboren und hätte daher nie Präsident werden dürfen.“


Kommentieren