Salzburger Festspiele: Jubel für De Keersmaekers „Vortex Temporum“

Salzburg (APA) - Anne Teresa De Keersmaeker übersetzt in ihrer Choreografie „Vortex Temporum“ das gleichnamige Polyphonie-Meisterwerk von Ge...

Salzburg (APA) - Anne Teresa De Keersmaeker übersetzt in ihrer Choreografie „Vortex Temporum“ das gleichnamige Polyphonie-Meisterwerk von Gerard Grisey. Bei den Salzburger Festspielen wurde es gestern, Montag, im Republic mit ihrem Ensemble Rosas und dem Ensemble für zeitgenössische Musik Ictus aufgeführt.

Der Titel „Vortex Temporum“ kann frei mit dem Wort „Zeitstrudel“ übersetzt werden. Dies erweist sich im Laufe der Performance als treffendste Bezeichnung. Auf dem schwarzen Bühnenboden sind sinnbildlich große und kleine Kreise gezeichnet, die, wie mit einem Zirkel gezogen, in der Mitte zueinander finden. Wie dem Programm zu entnehmen ist, sieht De Keersmaeker Zeit als etwas zyklisches. Auch Grisey bezog sich bei seiner zwischen 1994 und 1996 entstandenen Komposition auf die Vorstellung, die Zeit bewege sich drehend und wiederholend.

De Keersmaeker stellt jedem Instrument einen Tänzer bei, der die komplexen Klangfolgen und Muster in Bewegung wiedergibt. Zuerst befinden sich die Musiker allerdings alleine auf der Bühne. Wie eine Ouvertüre stellen sie zunächst die Musik vor. Klarinette, Querflöte und Klavier spielen dabei reißende Tonflüsse, über welche die drei Streicher einzelne, lang gezogenen Töne und Arpeggien ziehen. Diese Einführung endet mit einem Solo des Pianisten, der stetig wiederholend die selben Muster spielt. Mit einem Schlag auf das Klavier endet das Spiel abrupt.

Dann betreten die Tänzer die Bühne und nehmen die Positionen ein, die die Musiker zuvor verlassen haben. Die Parallelen zur Musik werden nun klar, auch wenn kein Ton zu hören ist. Mal sind die Bewegungen synchron, dann wieder einheitlich, doch das Kreismuster und die Drehungen erweisen sich als prominentester Teil der Choreografie. Irgendwann wird die Trennung zwischen Musikern und Tänzern aufgehoben. Die Tänzer bewegen sich in großen Kreisen wie magnetisch angezogen, die Musiker werden immer schneller und nehmen die Energie dieser Bewegung auf.

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Tonalität, Raum und Zeit scheinen im Laufe der einstündigen Choreografie immer weiter aufgelöst zu werden, sodass man sich bald selbst in einem Trancezustand fühlt. Das bewusst gesetzte Lichtdesign (Anne Teresa De Keersmaeker, Luc Schaltin) trägt ebenfalls sehr zur Atmosphäre bei. „Vortex Temporum“ ist eine Symbiose aus Musik, Bewegung und Wahrnehmung. Am Ende dieser Reise folgt tosender Applaus des Publikums.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)


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