Formel-1-Legende Piquet wird 65: „Ich lebe noch“

Rio de Janeiro (APA/dpa) - Nelson Piquet zählt als dreifacher Weltmeister zu den Formel-1-Legenden. 1981, 1983 (beide im Brabham Ford) und 1...

Rio de Janeiro (APA/dpa) - Nelson Piquet zählt als dreifacher Weltmeister zu den Formel-1-Legenden. 1981, 1983 (beide im Brabham Ford) und 1987 (Williams-Honda) sicherte sich der streitlustige Brasilianer, der am Donnerstag seinen 65. Geburtstag feiert, den wichtigsten Titel im Motorsport. Insgesamt 23 Grand-Prix Siege feierte der 1,73 m große Spitzenpilot, der es auf insgesamt 60 Podestplätze in der Königsklasse brachte.

Nicht zuletzt aufgrund seiner kompromisslosen Einstellung, denn Piquet konnte richtig hinterhältig sein. Während seines WM-Duells Ende der 1980er-Jahre mit Nigel Mansell versteckte der Brasilianer angeblich sogar das Klopapier der Williams-Teamtoilette vor seinem britischen Stallrivalen.

Mit Psychospielchen hatte der Südamerikaner nie ein Problem. Auf der Jagd nach Erfolg war der Mann aus Rio de Janeiro erbarmungslos. „Ich will mit niemandem gut Freund sein“, schnaubte er einmal, „ich will gewinnen.“

Seine Triumphe genoss er dann in vollen Zügen. „Das Gefühl, zu gewinnen, kann man sich gar nicht vorstellen“, meinte Piquet. „Manchmal habe ich mir auf der Auslaufrunde in die Hosen gepinkelt.“

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Diebisch freute sich Piquet über einen Werbedreh 2013, als er mit Mansell wieder vor der Kamera stand. Der clevere Geschäftsmann verhandelte seine Gage erst, nachdem er jene des Engländers in Erfahrung gebracht hatte. „Wenn Nigel wüsste, was sie mir dafür gegeben haben“, meinte Piquet schelmisch im Fachmagazin „Auto, Motor und Sport“.

Der Carioca kam als Nelson Souto Maior zur Welt. Aus Rücksicht auf seinen Vater Estacio, einen früheren Gesundheitsminister Brasiliens, nahm er jedoch den Mädchennamen seiner Mutter an. Talent besaß Nelson Piquet auch im Tennis. Die Faszination Motorsport war vor allem durch den aufstrebenden Emerson Fittipaldi, der 1972 und 1974 als erster Brasilianer Formel-1-Weltmeister wurde, aber stärker.

Sein Debüt in der Motorsport-Königsklasse feierte Piquet 1978. Doch schon Ende 1983 wollte er ermüdet von den Reisen seine Formel-1-Karriere beenden. Sein Freund Niki Lauda, der es bekanntlich ebenfalls auf drei Formel-1-WM-Titel (1975, 1977 und 1984) brachte, überzeugte ihn von der Anschaffung eines Privatjets: Damit sei das Reisen um den Globus deutlich entspannter. Und so gab Piquet selbst nach einem schlimmen Crash in Imola 1987 noch bis 1991 in der Formel 1 Gas. Des Geldes wegen, wie der Lebemann selbst einräumte.

Der Crash in Imola und der Unfall 1992 im Training zu den 500 Meilen von Indianapolis haben ihre Spuren bei Piquet hinterlassen. Finanziell hat Piquet keine Sorgen. Bereits während seiner Karriere in der Formel 1 wurde er ein erfolgreicher Geschäftsmann, sein Unternehmen verdient Geld mit Ortungssystemen.

Die Brasilianer haben dagegen mit der Königsklasse mittlerweile so ihre Sorgen. Mit Williams-Mann Felipe Massa ist im aktuellen Fahrerfeld nur noch ein Pilot aus dem größten Land Südamerikas vertreten. Da der Paulista aus gesundheitlichen Gründen zuletzt in Ungarn fehlte, stand erstmals seit San Marino 1982 sogar kein Brasilianer in der Startaufstellung.

Die Zuschauerzahlen im TV sind im von einer schweren Wirtschaftskrise geplagten Land auch zurückgegangen - der brasilianische Fernsehmarkt gehört aber noch immer zu den wichtigsten für die Formel 1. Nicht umsonst zählt seit 1973 der Grand Prix von Brasilien fest zum Rennkalender. Auch wenn über einen Verkauf des Autodromo Jose Carlos Pace in Interlagos immer wieder spekuliert wird.

Der Motorsport hat Piquet nie losgelassen. Sohn Nelsinho absolvierte 28 Formel-1-Rennen, ehe er 2015 Premierensieger der vollelektrischen Formel E wurde; der jüngere Sohn Pedro ist in der Formel-3-EM aktiv. Das Rennfahrertalent ihres Vaters haben sie jedoch nicht.

An Piquets bisweilen bitterböse Repliken reichen sie auch nicht heran. Auf die Frage eines Journalisten, ob nun er oder der 1994 bei einem Rennunfall in Imola verstorbene dreifache brasilianische Formel-1-Weltmeister Ayrton Senna der bessere Pilot gewesen sei, antwortete Piquet: „Ich lebe noch.“


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