Als Gefangener im Hamsterrad der Modewelt

Der Dokumentarfilmer Reiner Holzemer beobachtet in „Dries“ den belgischen Designer Dries Van Noten bei seiner Arbeit für Exzentriker.

© Filmladen

Innsbruck –Abgesehen davon, dass Dries Van Noten das Wort Mode nicht mag, weil es keine Vorstellung von Dauer liefert, hadert der belgische Modedesigner auch mit den Trägern und Trägerinnen seiner Kreationen. Wo sind die Damen von Welt, die sich tagsüber schweres Brokat überwerfen und sich dabei nicht komisch vorkommen?

Van Noten macht in Antwerpen Mode für Exzentriker, die ideale Exzentrikerin ist für ihn Peggy Guggenheim. Die Millionärin und Kunstsammlerin starb allerdings 1979, damals studierte Van Noten noch an der Modefakultät der Antwerpener Königlichen Akademie der Schönen Künste. 1986 gründete Dries Van Noten sein Label und liefert seither jährlich zwei Kollektionen ab, die es ihm erlauben, seine Unabhängigkeit gegenüber großen Konzernen zu bewahren, die Mode als Industriezweig betreiben.

Im Filmporträt „Dries“ des Münchner Dokumentarfilmers Reiner Holzemer huldigt der Designer in seinem Erscheinungsbild dem Minimalismus. In schwarzen Jeans und dunklen Pullovern ist er in seinen Werkstätten oder mit seinem Lebensgefährten und Geschäftspartner im Park, der sein stattliches Schloss in der Nähe von Antwerpen umgibt, zu sehen.

In den vergangenen 30 Jahren hat Van Noten Triumphe und Niederlagen erlebt. Einen Kritiker hat seine von den Bildern Francis Bacons inspirierte Frauenkollektion von 2010 an „faule Garnelen“ erinnert. Von solchen Kränkungen kann der höfliche Designer vor der Kamera mit professioneller Ironie erzählen, der Schauer, der ihn damals erfasst hat, ist ihm noch immer anzumerken.

Reiner Holzemer beobachtet in „Dries“ das Entstehen der Kollektionen für 2017, mit denen sich Van Noten in die Jubiläumsfeiern für das Jahr 1967 einreiht. Dabei steht das Bunte für Flower Power, mit Goldstickereien geschmückte Uniformen vereinen Sgt. Pepper, Kitsch und Vietnamkrieg. Auch solche Reminiszenzen kommentiert Van Noten mit Ironie. Es ist das Leben eines Gefangenen „im Hamsterrad der Modewelt“. (p. a.)


Kommentieren


Schlagworte