Abfuhr für Bargeld-Grenze, halber Goldschatz zurück

Die Nationalbank sagt Nein zu Bargeld-Beschränkungen und warnt vor einer „Bitcoin-Blase“. Die Gold-Rückholung soll rascher laufen.

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© FILES AFP

Von Alois Vahrner

Alpbach –Die Nationalbank lehne alle Bestrebungen ab, am Bargeld zu rütteln, sagte Direktor Kurt Pribil am Freitag beim Forum Alpbach. Erst kürzlich habe eine von der EZB in Euro-Ländern durchgeführte Umfrage unter 30.000 Personen eine überwältigende Mehrheit von über 95 Prozent fürs Bargeld gebracht.

Bargeld sei sehr beliebt, besonders auch in Österreich. Noch immer würden mehr als 80 Prozent aller Einkäufe oder auch Rechnungen im Restaurant bar bezahlt. Der Bargeld-Umlauf in der Eurozone habe sich seit der Ausgabe der Euro-Noten und -Münzen seit 2002 auf zurzeit etwa 1140 Mrd. Euro verfünffacht.

Laut Pribil sei man auch strikt gegen mögliche Bargeld-Obergrenzen, wie dies auch in der EU-Kommission angedacht werde. „Die EU mag da hart sein, wir sind es aber auch.“ Nein sage die Notenbank auch in Italien bei der dort kommenden Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen durch oben oktroyierte Rundungsregeln. Die Prägung auch der kleinen Cent-Münzen sei in Österreich „rentabel, wenn auch nur knapp“.

Kritisch sehen die Notenbanker das Aufkommen von Internet-Geld wie Bitcoins (im Vorjahr 69.000 Transaktionen in Österreich gegenüber 2 Milliarden Zahlungen in Euro). Hier gebe es die Gefahr, dass es zu einer Blase kommt.

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Bis November 2019 wollen die EZB und die Notenbanken mit „Target Instant Payment Settlement“ (kurz TIPS) dafür sorgen, dass Überweisungen nicht mehr einen Tag oder noch länger, sondern binnen Sekunden im ganzen Euroraum möglich sind. Die Gebühr solle für alle Teilnehmer gleich mit 0,20 Cent gedeckelt und damit „sehr kostengünstig“ sein, kündigt Pribil an. Damit sei man auch schneller und günstiger, als dies zurzeit etwa bei Bitcoins üblich sei.

Aufs Tempo drückt die Nationalbank unterdessen mit der nach heftigen Diskussionen beschlossenen Rückholung größerer Teile ihrer im Ausland gebunkerten Goldreserven. Bis vor einiger Zeit lagerten noch 80 Prozent der insgesamt 280 Tonnen Gold in London, 3 Prozent in der Schweiz und nur 17 Prozent in Österreich. Bis Ende 2020 wollte man 140 Tonnen oder 50 Prozent in Wien haben, 30 Prozent in London und 20 Prozent in Zürich, das soll nun aber bereits bis Ende 2018 über die Bühne gehen, so Pribil und Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny. London und Zürich seien wichtige Goldhandelsplätze, lautet das Argument, wieso man nicht den ganzen Goldschatz zurückholt. Auch die Deutsche Bundesbank habe den Goldschatz zur Hälfte in Frankfurt und den Rest in London und Zürich gelagert.


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