Air Berlin sucht Sanierungsplan in der Insolvenz

Wer kauft welchen Teil der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft? Nach dem Insolvenzantrag ist ein klares Konzept noch nicht erkennbar. Vorstandschef Winkelmann verhandelt nicht mehr allein.

Die Niki-Mutter Air Berlin hatte am Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.
© APA/dpa/Marcel Kusch

Berlin – Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin gehen die Sanierungsbemühungen für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft weiter. Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf von Teilen der Airline. Dabei arbeitet er nach Unternehmensangaben nun mit einem Generalbevollmächtigten zusammen, dem Düsseldorfer Jurist Frank Kebekus.

Als Sachwalter überwacht der Rechtsanwalt Lucas Flöther aus Halle für die Gläubiger das Verfahren. Der Flugbetrieb ist durch einen Kredit des Bundes noch für etwa drei Monate gesichert. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit schloss negative Effekte im Flugbetrieb jedoch nicht aus. Ihr Vorstand Markus Wahl sagte der Saarbrücker Zeitung (Mittwoch) zugleich: „Ganz grundsätzlich kann ich nur dafür werben, dass die Kunden der Fluggesellschaft ihr Vertrauen schenken.“ Mit der deutschen Regierung stehe ein potenter Kreditgeber im Hintergrund.

Die Niki-Mutter Air Berlin hatte am Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, dabei bleibt das bisherige Management in Verantwortung. Hintergrund der Insolvenz ist nach Unternehmensangaben, dass der Großaktionär Etihad kein weiteres Geld in die defizitäre Fluggesellschaft stecken will.

Flugtickets bleiben gültig

Die Stiftung Warentest wies darauf hin, dass die Tickets gültig bleiben und Flüge weiterhin buchbar seien. „Sollte Air Berlin den Flugbetrieb doch irgendwann einstellen und der Flug auch nicht von einer anderen Airline übernommen werden, erhalten Kunden wahrscheinlich nur wenig oder nichts vom Ticketpreis zurück“, warnte die Stiftung. Entschädigungsansprüche nach Flugstreichungen oder Verspätungen blieben zwar bestehen. „Ob die Airline aber solche Forderungen der Passagiere zahlen kann, hängt davon ab, wie es mit Air Berlin weitergeht“, hieß es.

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Eine Teilübernahme durch den Lufthansa-Konzern muss nach Auffassung eines Verbraucherschützers nicht automatisch zu höheren Ticketpreisen für Passagiere führen. „Es wird auch darauf ankommen, wer noch zum Zuge kommt“, sagte der Touristik-Experte derVerbraucherzentrale Bundesverband, Felix Methmann, der Deutschen Presse-Agentur. DerWettbewerb auf dem deutschen Luftverkehrsmarkt könne sich künftig durchaus verschärfen, erklärte er mit Blick auf die Angebote zahlreicher europäischer Billigfluggesellschaften.

Vor allem die irische Fluggesellschaft Ryanair kritisiert die Insolvenz und die staatliche Zwischenfinanzierung von 150 Millionen Euro scharf. Sie laufe auf eine Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa hinaus und werde in Deutschland zu höheren Ticketpreisen führen. Der Ryanair-Konkurrent Easyjet soll Branchengerüchten zufolge an Teilen von Air Berlin interessiert sein. Weder Easyjet noch Air Berlin wollten das bisher kommentieren. (APA/dpa)


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