Salzburger Festspiele: Mitsuko Uchida begeistert mit Vielseitigkeit

Salzburg (APA) - Die Pianistin Mitsuko Uchida bewies gestern, Dienstag, im Konzert im Haus für Mozart, dass sie den Titel Schubert- und Moza...

Salzburg (APA) - Die Pianistin Mitsuko Uchida bewies gestern, Dienstag, im Konzert im Haus für Mozart, dass sie den Titel Schubert- und Mozartexpertin mehr als verdient hat. Dabei brachte sie mit einem Werk von Jörg Widmann auch ein bisschen Elbphilharmonie-Stimmung zu den Salzburger Festspielen.

Ein gewisses Maß an Mut gehört dazu, ein Konzert bei den Salzburger Festspielen mit einem Pflichtstück der Klavierschulliteratur zu eröffnen. Jeder Klavierschüler hat vermutlich zumindest einmal in seinem Leben Mozarts „Sonate facile“ gespielt. Mitsuko Uchida spielte sie allerdings nicht, sie erzählte sie. Den Gedanken an eine Klavierstunde verbannte sie mit dem ersten, hoch konzentrierten Anschlag. Dann folgte ein zartes und glasklares Allegro. Das Andante begann sie wie ein Wiegenlied, dem sie besonders in der Durchführung starke Melancholie hinzufügte und mit einem knackigen Rondo beendete.

Nach der Pause folgte noch das von eben jener „Sonate facile“ inspirierte, fast gleichnamige Stück des deutschen Klarinettisten und Komponisten Jörg Widmann, „Sonatina facile“. Das Werk nicht unmittelbar nach Mozart zu programmieren, erwies sich als geschickter Schachzug. Zu groß wäre die Versuchung eines Vergleichs der beiden Stücke. Widmanns Ziel des Werkes war in gewisser Weise eine Provokation. Leicht sollte es klingen und schwer zu spielen sein, wie er im Programmheft zitiert wird.

Mitsuko Uchida hatte die Uraufführung des Werkes heuer im Jänner anlässlich der Eröffnung der Elbphilharmonie in Hamburg gespielt. Immer wieder klangen Mozarts Melodien an, einerseits aus der Sonate, andererseits aus anderen Kompositionen des Meisters, wie dem Requiem. Die 68-jährige Pianistin, die als Tochter eines japanischen Diplomaten in Wien studiert hatte, dürfte immer noch großen Spaß an dem Werk haben, zumindest verließ Uchida den Flügel mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

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Zwischen und nach den beiden Werken gab es Kompositionen von Robert Schumann. Die „Kreisleriana“ und die Fantasie in C-Dur. Beide Werke ging die Pianistin wesentlich dichter in der Verbindung der Töne an und zeichnete ein Bild des durchdrängten Schumanns, der voller Sehnsucht nach seiner zukünftigen Braut Clara komponierte. Zugegeben, das Werk ist anfällig für Interpretationen einer verzweifelten Liebe, zumal Clara eine Widmung des Werkes an sie ablehnen musste. Der Vater war gegen die Heirat. Mitsuko Uchida präsentierte einen gelungenen Mittelweg zwischen schwermütigen Seufzermomenten und klaren Linien und Läufen.

Dem Publikum gefiel diese vielfältige Märchenstunde ausgezeichnet. Tosender Applaus folgte auf die sanft verklingenden Töne der Fantasie, und das Publikum erklatschte sich voller Inbrunst eine Zugabe und einen Luftkuss von Uchida.

(S E R V I C E - www.salzburgerfestspiele.at)


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