Rechnen als „Einstiegsdroge“: Taschner, Mathe und das Glück

Der Mathematiker und seit kurzem auch ÖVP-Nationalratskandidat hat ein neues Buch veröffentlicht.

Der Mathematiker und ÖVP-Nationalratskandidat Rudolf Taschner gibt sich bescheiden: ?Ich bin ein kleines Rädchen.?
© Ingo Pertramer/Brandstätter Verl

Wien – Die Mathematik ebnet den Weg zum Glück – mit dieser gewagten These steigt der Mathematiker und Neo-ÖVP-Nationalratskandidat Rudolf Taschner in sein neues Buch ein. In „vom 1x1 zum Glück“ (Brandstätter) setzt er sich mit dem Mathe-Unterricht in den Schulen sowie gelungenen und weniger gelungenen Testaufgaben auseinander, plädiert für eine teilzentrale Matura und bricht eine Lanze fürs Schätzen.

Taschner stellt gleich relativ am Anfang klar: „Rechnen ist nicht Mathematik. Rechnen verhält sich so zur Mathematik, wie beim Klavierspielen das Üben von Tonleitern mit dem Einstudieren einer Sonate von Mozart oder eines Präludiums und einer Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach.“ Trotzdem sei es richtig, dass Rechnen im Fach Mathematik unterrichtet werde – als eine Art „Einstiegsdroge“ für mathematische Begabungen.

Zwar seien Computer heutzutage die „Rechenmeister“: Aber wer nicht selbst rechnen könne, sei den elektronischen Maschinen „auf Gedeih und Verderb ausgeliefert“, argumentiert Taschner: „In der Schule nicht mehr rechnen zu unterrichten, bedeutet, sowohl den Weg zur persönlichen Freiheit zu versperren als auch die Aufklärung aufzugeben.“ Er plädiert dafür, „das Einmaleins und ein bisschen mehr zu lehren und zu üben“.

Taschner mag das Schätzen

Dieses „bisschen mehr“ sieht Taschner im sicheren Bewegen in bestimmten Zahlenräumen und dem Verständnis einfacher Rechenmechanismen. Es sei niemand vorzuhalten, zum Taschenrechner zu greifen, wenn er 17 mal 23 berechnen möchte. „Aber das Schätzen, sollte man jeder und jedem zutrauen, dass sich das Ergebnis um den Wert von 20 mal 20 (man hat also 17 zu 20 auf- und 23 zu 20 abgerundet) folglich um den Wert 400 bewegen wird“.

Auch an anderer Stelle macht sich Taschner fürs Schätzen stark. Anhand einer für ihn gelungenen PISA-Aufgabe konstatiert er, „dass Gegebenheiten der Welt mit Mathematik am besten verstanden werden, wenn man Größen grob zu schätzen lernt“. Und schließt diese Ausführung mit einem für einen Mathe-Lehrer unerwarteten Satz des großen Mathematikers Carl Friedrich Gauß: „In nichts zeigt sich der Mangel an mathematischer Bildung mehr als in einer übertrieben genauen Rechnung.“

Apropos Schule: Zum wiederholten Mal plädiert Taschner für eine teilzentrale Matura, die zur einen Hälfte aus zentral vorgegebenen „sehr einfachen Standardaufgaben“ und zur anderen aus vom Klassenlehrer gestellten Aufgaben bestehen soll. Zumindest die ersteren sollten dabei „völlig frei von unerwarteten Schwierigkeiten“ sein. „Keinesfalls darf man Proteste ernst nehmen, die darüber klagen, die Beispiele seien im Vergleich zu früheren Zeiten, als man noch viel von den Kindern verlangt hatte, zu leicht. Solche Einwände kommen sehr oft von sogenannten Bildungsbürgern, die besonders stolz auf ihr vermeintliches Können sind, das sie sich qualvoll vor Jahrzehnten eingetrichtert hatten.“ (APA)

Buch

"Vom 1x1 zum Glück. Warum wir Mathematik für das Leben brauchen" von Rudolf Taschner, Brandstätter, 160 Seiten, 19,90 Euro. Buchpräsentation am 12. September, 19.00 Uhr bei Morawa, Wollzeile 11, 1010 Wien


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