Kuschelige Therapeuten auf vier Pfoten

Die ausgebildeten Vierbeiner des Vereins „Therapiehunde Mensch und Tier“ leisten u. a. in Schulen und Altenheimen ganz besondere Dienste.

Petra Knapp erfreut mit Therapiehund Bumblebee im Seniorenheim in Münster Bewohner wie Alexis Mayrhofer.
© Dähling

Von Angela Dähling

Ramsau, Münster –Sanft leckt der große schwarze Hund den kleinen, völlig verkrampften Fuß des Mädchens. Spastische Lähmungen führen bei der Kleinen zu diesen Verkrampfungen. Fasziniert beobachtet sie ihren vierbeinigen Therapeuten: Dem Labradoodle namens Bumblebee (englisch: Hummel) gelingt Erstaunliches. Zum einen öffnet sich der Fuß des Mädchens durch seine warme, massierende Zunge, mit der er ihr Topfen vom Fuß schleckt. Zum anderen gelingt es dem mehrfach behinderten Mädchen, sich auf etwas zu fokussieren – nämlich auf Bumblebee.

Erfahrungen wie diese macht Petra Knapp, das Frauchen des Labradoodles, nicht zum ersten Mal. Die Münsterin ist selbst Mutter einer Tochter, welche während der Schwangerschaft einen Schlaganfall erlitten haben dürfte, worunter ihre Feinmotorik litt. „Wir sind dann im Internet auf das Thema Therapiehunde gestoßen und haben uns einen passende­n Hund ausgesuch­t, um mit ihm eine Ausbildun­g zu mache­n“, erzählt Knapp. Sie ist inzwischen mit Bumblebe­e Teil des Teams vom Verein „Therapiehunde Mensch und Tier“, der mit derzeit 22 Zweierteams aus Mensch und Therapiehund in Altenheimen, Schulen und Institutionen, die Menschen mit Beeinträchtigungen betreuen, im Einsatz ist. Und ihrer Tochter Aureli­e ist nicht zuletzt durch das vierbeinige Familienmitglied die Beeinträchtigung so gut wie nicht mehr anzumerken.

Auch beim Verein "Schritt für Schritt" erweist sich der Labradoodle als perfekter Therapeut für viele der behinderten Kinder.
© Therapiehunde Mensch & Tier

Bumblebees Ausbildung dauerte ein Jahr. „Unser Verein bildet seine Teams auf Basis der Prüfungsordnung des Messerli-Instituts der Veterinärmedizinischen Universität Wien aus“, erzählt Knapp. Nur derjenige, der mit dem Hund die Ausbildung macht, darf mit ihm danach auch die Therapien durchführen.

„Und jährlich ist neuerlich eine Prüfung zu machen“, ergänzt Pamela Hofreiter aus Ramsau. Die Zillertalerin befindet sich mit ihrer Golden-Retriever-Hündin Flora gerade in Ausbildung. Davor war ein Eignungstest Pflicht, bei dem u. a. Reaktionen des Hundes auf Stress und Geräusche getestet wurden. Denn nur besonders ruhige und ausgeglichene Hunde eignen sich als Therapiehunde.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival
Die Zillertalerin Pamela Hofreiter (l.) mit ihrer Hündin Flora, die einige Tricks gelernt hat, um Kinder wie Julian und Aurelie zu beeindrucken.
© Dähling

Pamela Hofreiter ist Lehrerin und möchte mit Flora an Schulen tätig werden. Dort sollen die Kinder so auch den sicheren Umgang mit Hunden erlernen. „Neben der Förderung der sozialen Kompetenz und der Motivation fällt auch das Lernen durch ihn leichter“, weiß Hofreiter. „Durch die Emotionen, für die der Hund beim Lernen sorgt, geht das Erlernte sofort ins Langzeitgedächtnis über“, erklärt sie. Flora hat dafür bei einer „Trick Dogging“-Zusatzausbildung den Umgang mit diversem Holzspielzeug gelernt. Sie kann würfeln, sich verbeugen, sich selbst die Füße vor der Tür abputzen, Türen und Kästen schließen, Gegenstände holen, tanzen und vieles mehr. Doch viel braucht es oft nicht. Oft reicht die Anwesenheit der sanftmütigen Vierbeiner. So auch im Seniorenheim des Sozialzentrums Münster, wo Bumblebee regelmäßig zu Gast ist und die alten Menschen erfreut – ein paar Kuscheleinheiten sind auf Wunsch inklusive.


Kommentieren


Schlagworte