Abriss in Pradl stößt Mietern sauer auf

Mieter in Pradl-Ost fühlen sich durch Abbrucharbeiten an Häuserzeilen, die teils noch bewohnt sind, unter Druck gesetzt. Laut Neuer Heimat soll so die illegale Nutzung leerstehender Wohnungen verhindert werden.

© Domanig

Innsbruck –Für die Neue Heimat Tirol (NHT) ist die laufende, etappenweise Erneuerung der Südtiroler Siedlung in Pradl-Ost eines der zentralen Projekte der kommenden Jahre: Durch Abriss und verdichteten Neubau sollen in Summe ca. 500 neue Wohnungen entstehen – was in etwa einer Verdoppelung der bestehenden Wohnungsanzahl entspricht. Der erste Bauabschnitt mit 145 Wohnungen wurde im Dezember 2016 bereits übergeben.

Der Start von Abschnitt zwei im Bereich Amthorstraße/Türingstraße ist laut NHT noch heuer geplant. Ein Großteil der Mieter ist bereits aus den Bestandsgebäuden abgesiedelt – mit einigen gab es bisher aber noch keine Einigung. Und die verbliebenen Bewohner üben teils heftige Kritik an der NHT – besonders an der Tatsache, dass bei zusammenhängenden Gebäuden derzeit schon Teile abgerissen werden, obwohl in anderen Teilen noch Mieter wohnen.

„Mir drückt das extrem auf die Psyche“, sagt ein Mieter, der seit 37 Jahren in der Türingstraße 1 lebt. Teile des Gesamtgebäudes Am Rain/Türingstraße/Amthorstraße sind bereits abgerissen, auch die direkt angrenzende Wohnung ist geräumt. Über den Beginn des Abrisses habe es seitens der NHT „null Information“ gegeben, beklagt der Mieter, der von „Schikane“ spricht: „Uns wurde versichert, dass es keinen Zwang zum Ausziehen gibt. Aber durch Maßnahmen wie den Abriss setzt man die verbliebenen Mieter sehr wohl unter Druck.“

Das sieht auch ein Mieter aus der Amthorstraße 44 so. Auch wenn ihm weiterhin ein unbefristeter Mietvertrag zustehe, habe er nach 43 Jahren „kein Interesse, auszuziehen“. Viele Mieter hätten in ihre Wohnungen mehr investiert, als ihnen die NHT jetzt biete. Er selbst habe u. a. erst vor acht Jahren viel Geld in eine neue Küche gesteckt. „Damit ich gehe, muss mir die NHT mehr bieten als 15.000 Euro.“

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NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner betont, dass bei leerstehenden Häusern der Abriss „geradezu eine Notwendigkeit“ sei. Ansonsten würden sich dort, wie es auch im Pradler Saggen geschehen sei, obdachlose Menschen unrechtmäßig einquartieren – „und wir wären dem Vorwurf ausgesetzt, dass wir nichts tun“. Wo der Abbruchbescheid der Stadt schon vorliege, sei es also am klügsten, auch wirklich abzureißen, nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen.

Beim Abriss zusammenhängender Wohnanlagen werde „sehr darauf Bedacht genommen, dass jene, die noch in den Häusern wohnen, dadurch keine Beeinträchtigung erleiden, etwa durch schlechtere Isolierung“, erklärt Gschwentner. Dass Mieter unter Druck gesetzt werden sollen, weist er klar zurück: „Auch für Mieter, die nicht ausziehen wollen, sind wir als NHT ja weiterhin verantwortlich. Wir können die Gebäude also nicht in einen Zustand bringen, wo deren Erhaltung oder Sicherheit zum Problem würde.“

Die einzelnen Betroffenen hätten natürlich ihre Sicht der Dinge, so Gschwentner. „Aber wir als Neue Heimat sind auch für die Wohnversorgung in der Stadt zuständig, wir müssen auch an jene denken, die noch keine Wohnung haben.“ In den Neubauten „in moderater Dichte“ sei die Wohnqualität „mindestens ebenbürtig – aber eben für doppelt so viele Leute“. Zudem seien die Wohnungen energietechnisch auf neuestem Stand und barrierefrei. Bevor es eine Einigung mit allen Mietern gebe, sei jedenfalls nicht daran gedacht, mit Bauabschnitt zwei oder Teilen davon zu beginnen, fügt Gschwentner hinzu. (md)


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