Im Reich der Hanauer Hütte

Das Gebiet um die Hanauer Hütte in den Lechtaler Alpen hat von allem etwas zu bieten: Klettersteige, Klettergarten, Seen und mit der Kogelseespitze eine traumhafte Bergtour.

Durch das Angerletal und über Brücken geht es zur Hanauer Hütte (Kreis). Hier befindet man sich im Parzinn, einem Teilgebiet der Lechtaler Alpen
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Von Irene Rapp

Pfafflar –Eins gleich vorweg: Für die Tour auf die Kogelseespitze sollte man einen Tag auswählen, an dem garantiert mit keinem Gewitter zu rechnen ist. Der Weg zu der 2647 Meter hohen Erhebung ist nämlich mit über acht Kilometern recht lang. Dazu kommt, dass es bei dieser Bergtour ständig etwas zu schauen gibt: Wenn man aus dem Auto aussteigt und durch das Angerletal Richtung Hanauer Hütte marschiert, befindet man sich schon im Bann der Dremelspitze (2733 m), einer beeindruckenden, alles überragenden Pyramide mit bis zu 400 Meter hohen Felswänden.

Bei der Hütte angelangt, wird man gefesselt sein von der alpinen Szenerie mit vielen Gipfeln und Felsnadeln. Etwas oberhalb gibt es zudem einen See, in dem man die Zehen eintauchen kann, dann steht der lange Marsch über den Südostrücken der Kogelseespitze bis zum Gipfel an. Weil man aber alles wieder zurückgehen muss, könnte man das Ganze als Zwei-Tages-Unternehmen mit Übernachtung auf der Hütte angehen (voraussichtlich bis Anfang Oktober geöffnet) und sich noch am Klettersteig oder im Klettergarten ausprobieren.

Von der Hanauer Hütte (2) aus geht man vorbei...
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So kommt man hin: Entweder über das Hahntennjoch/Imst oder vom Lechtal aus über das Bschlabertal nach Boden, das zu Pfafflar gehört. Boden besteht nur aus wenigen Häusern, hat aber eine schöne Kirche, die man sich kurz anschauen sollte. Allerdings kämpft man hier mit Abwanderung, „die Leute vertragen die Ruhe nicht“, meinte ein ortskundiger Bergsteiger, dem wir während der Bergtour begegnet sind.

Von Boden aus geht es zu Fuß weiter. Man folgt den Beschilderungen „Hanauer Hütte“ und gelangt auf einer Forststraße in das Angerletal. Von hier aus kann man schon die Hanauer Hütte sehen und auch die Felswand links unterhalb der Hütte. Zwei Klettersteige ziehen hier herauf – ein leichter und ein schwerer, wobei der schwerere (D/E-Stellen) tolle Ausblicke auf eine beeindruckende Schlucht samt tosendem Bach bietet.

... an der Parzinnhütte ...
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Noch aber sind wir auf dem Forstweg, erreichen schließlich die Materialseilbahn, ab hier geht es auf einem Bergpfad weiter. Bis zur Materialseilbahn könnte man auch mit dem Rad fahren: Die Strecke ist zwar nicht offiziell als Mountainbike-Route ausgewiesen, aber Radfahren wird toleriert. Wenn man am Fuß des Parzinnbühls, der Steilstufe im Talschluss, angelangt ist, geht es in einigen Kehren hinauf, mittendrin zweigt links der Zustieg zu den 2010 errichteten Klettersteigen ab.

Wir halten uns aber weiter auf dem Hauptweg (es gibt übrigens zwei Wege auf die Hütte) und nach zwei Stunden hat man schließlich die Hanauer Hütte (1922 m) erreicht.

Die Unterkunft befindet sich auf einem traumhaften Platz – zum einen, wenn man den Blick talauswärts genießt, zum anderen den taleinwärts: Denn da türmt sich nicht nur die Dremelspitze auf, sondern auch Schlenker-, Parzinn- und Plattigspitze mit so vielen Türmchen und Spitzen, dass man gleich mit dem Zählen beginnen möchte.

... zum Parzinnsee.
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Die alpine Unterkunft wird heuer das 16. Jahr von der Familie Kirschner aus St. Leonhard im Pitztal bewirtschaftet und ist eine kinder- bzw. familienfreundliche Hütte. Rundherum gibt es Möglichkeiten zum Klettern oder Bouldern. Der heurige Sommer war für die Kirschners bislang aber durchwachsen. „Das Wetter könnte ein wenig besser sein“, sagt Petra Kirschner.

Taleinwärts geht es dann weiter – das Ziel, die Kogelseespitze, sieht man noch nicht. Vorbei an einem Wegweiser mit der Aufschrift „Alle Richtungen außer Boden“. Auf einem Steig (Nr. 621) über Almgelände in einem großen Rechtsbogen hinauf. Vorbei an der verfallenden Parzinnhütte (2048 m) bis zum Parzinnsee, an dessen Ufer es sich gut aushalten lässt. Von hier aus ist schon der Steig erkennbar, der sich links hinauf zum Gufel­seejoch (2373 m) zieht – denn ja, auf der anderen Seite des Jochs befindet sich wieder ein See (Gufelsee). Zunächst aber in steilen Kehren hinauf, kurz unterhalb des Jochs gibt es eine Seilversicherung.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie hier.

Oben angekommen bieten sich neue tolle Ausblicke, wir halten uns rechts. Hier gibt es einen weiteren Wegweiser, die angegebene Zeit bis zur Kogelseespitze ist mit 30 Minuten sportlich bemessen. Der lange Südostrücken zieht sich nämlich, bietet aber einen Blick auf einen weiteren See, den oberen Parzinnsee. In steilen Kehren bergauf, am Vorgipfel fühlt man sich ein wenig an die zerklüftete Brenta erinnert, und dann hat man endlich das Gipfelkreuz erreicht. Wenig überraschend: Nach Norden fällt das Gelände ab zu einem weiteren See – dem Kogelsee.

Zurück geht es dann auf demselben Weg. Wir sind jedoch über den Ostgrat der Kogelseespitze abgestiegen – dieser ist allerdings wirklich nur absolut Trittsicheren und Alpinerfahrenen vorbehalten. Es gibt nur vage Steigspuren und einzelne Markierungen sowie Steintürmchen, oft muss man mit den Händen am Fels entlang absteigen.

Bei der Kogelseescharte kommt man dann heraus, steigt über den Uhde-Bernays-Weg zu den zwei Parzinnseen ab und wandert weiter zur Hanauer Hütte.

Das Kreuz am Gipfel der Kogelseespitze.
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