Barockes Juwel neu erforscht

Kunsthistoriker Leo Andergassen stellt die Stiftskirche von Marienberg in druckfrischem Führer vor. Kunsthandwerker aus dem Bezirk Landeck haben den Bau wesentlich mitgestaltet.

Zahlreiche Besucher waren am Hohen Frauentag dabei, als Leo Andergassen (am Rednerpult) die Stiftskirche aus kunsthistorischer Sicht vorstellte.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Mals, Obergricht –Er hat bekannte, im Zuge seiner Forschungen aber auch wenig bekannte und neue Fakten im 50-Seiten-Kirchenführer zum 2015 renovierten Sakralbau in Marienberg (Gemeinde Mals) verpackt. So fasste der Südtiroler Autor und Kunsthistoriker Leo Andergassen seine jüngste Publikation zusammen. Vorgestellt hat er das Werk am Hohen Frauentag. Auftraggeber war das Benediktinerstift mit Abt Markus Spanier, der zahlreiche Besucher in der Stiftskirche willkommen hieß. Die Bedeutung des Stiftes im Obervinschgau wertet Andergassen so: „Ein großes offenes geistiges Zentrum im Dreiländereck.“

Die ersten Spuren zum Bau der Stiftskirche finden sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Womit das ursprünglich romanische und später barockisierte Gotteshaus fast 900 Jahre alt ist. Ursprünglich war es eine romanische Pfeilerbasilika.

Eine Benedikt-Figur von Adam Payr aus Prutz und Hans Jakob Dreher aus Pfunds.
© Wenzel

„Nach der jüngsten Restaurierung hat uns eben noch der Kirchenführer gefehlt“, bemerkte der Abt. „Es freut uns sehr, dass wir diesen Auftrag an Herrn Andergassen geben konnten.“ Dieser sprach von einem Glücksfall, als die Baumeister der frühbarocken Jesuitenkirche in Innsbruck (17. Jahrhundert) nach Fertigstellung in Marienberg weiterarbeiten konnten. „Sie haben höchste Anforderungen bei der Barockisierung erfüllt und gute künstlerische Lösungen gefunden.“

Initiator des barocken Umbaus der romanischen Kirche war laut Andergassen der 1591 in Imst geborene Abt Jakob Grafinger. Mehrere Kunsthandwerker aus dem Bezirk Landeck bzw. Obergricht haben ihre Handschrift in dem Sakralbau hinterlassen – etwa der Pfundser Maler Hans Jakob Dreher, der ein Porträtbild von Grafinger schuf, das in der Äbtegalerie zu sehen ist. Gemeinsam mit dem Prutzer Bildhauer Adam Payr entstanden lebensgroße Heiligenfiguren, die u. a. die Ordensgründer Benedikt, Augustinus sowie Norbert von Xanten und Dominikus darstellen. „Dreher ließ sich das Malerhonorar in einer Weinlieferung und Gerste abgelten, Payr teilweise in Korn“, schildert Andergassen im Kirchenführer. Infos auch im Internet: www.marienberg.it.

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Das Stift.
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Heimatforscher Prof. Robert Klien, Andergassen und Abt Markus Spanier (v. l.).
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