„Wichtig wie ein Gedicht“ - Band mit Briefen von Charles Bukowski

Wien (APA) - „Ich finde ja, der Brief als eigene Form ist ebenso wichtig wie das Gedicht, und darin lassen sich Dinge sagen, die das Gedicht...

Wien (APA) - „Ich finde ja, der Brief als eigene Form ist ebenso wichtig wie das Gedicht, und darin lassen sich Dinge sagen, die das Gedicht nicht ausdrücken kann und umgekehrt.“ Das schrieb Charles Bukowski 1962 an Jon Webb, Verleger des Underground-Magazins „The Outsider“. Wie recht der „Dirty Old Man“ der US-Literatur hatte, zeigt die nun erschienene erlesene Briefe-Sammlung „Über das Schreiben“.

„Ich bin ein gefährlicher Mann, vor allem wenn eine Schreibmaschine in der Nähe steht“, sah sich Bukowski selbst, wie in dem von Abel Debritto herausgegebenen Buch nachzulesen. Seine in den Briefen geäußerten Bemerkungen über Kollegen, Verleger und die Literaturszene per se sind dementsprechend schonungslos, pointiert und mitunter polemisch, aber stets fundiert. Über seine Zunft merkte er an: „Man scheitert, sobald man anfängt, sich für ein Gedicht selbst zu belügen.“ Das hat Bukowski nie getan, vielmehr sinniert er unverblümt über eigene Schwächen, über Entbehrungen als Autor und über seinen Wunsch um Anerkennung.

Die Ansichten, Erkenntnisse, Kritiken, aber auch seine Freuden (wenn etwa ein Gedicht publiziert wurde) brachte Bukowski mit enormem sprachlichen Verve zu Papier - oft handgeschrieben und ergänzt mit Zeichnungen (zum Teil im Buch abgedruckt). „Alles zusammen ist nicht weniger packend als seine Geschichten und Gedichte“, hält Debritto im Nachwort ganz richtig fest, „denn diese (bisher unveröffentlichten, Anm.) Briefe zeigen Bokowski at his best: rau, witzig und dann wieder tief bewegend.“

„Über das Schreiben“ ist kein obskures Sammelsurium für eingefleischte Fans, sondern ein wunderbares Lesebuch eines (nicht nur) literarischen Outsiders, der viel mehr zu bieten hatte als wilde Geschichten über Sex und Suff. „Die meisten Dichter sind ja nur deshalb so jung, weil das Leben sie noch nicht gepackt hat. Zeigen Sie mir einen alten Dichter, und ich zeige Ihnen entweder einen Wahnsinnigen oder einen Meister“, schrieb Bukowski in einem Brief. Er selbst sah sich bereits mit 40 als alt, ein Meister war er allemal.

(S E R V I C E - Charles Bukowski, „Über das Schreiben - Briefe an meine Weggefährten und Gönner“, herausgegeben von Abel Debritto, Kiepenheuer & Witsch, 288 S. 18,60 Euro)


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