Pressestimmen: „Trump beleidigt amerikanische Identität“

Europäische Zeitungen zum Streit um den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit der rechtsextremen Gewalt in Charlottesville.

Donald Trump steht im Kreuzfeuer der Kritik.
© Reuters

„Liberation“ (Paris): „In weniger als 140 Zeichen, wie es der Trumpschen Rhetorik entspricht, kann man Folgendes über die letzte Erklärung Donald Trumps sagen: Es ist eine schändliche Dummheit, die einer rassistischen Dumpfbacke würdig ist. Schlimmer noch: Es ist eine Beleidigung der amerikanischen Identität, wie sie über so viele Kämpfe aufgebaut wurde. (...) Trump wollte ‚Amerika seine Größe wiedergeben‘. Bisher hat er das Land nur verunstaltet.“

„Guardian“ (London): „Trumps bockiges und narzisstisches Benehmen hat gezeigt, dass ihn Kritik und die amerikanische Presse wütender machen als die Rassisten und Neonazis in seinem Land. Er kann einfach nicht über seinen Schatten springen. Aber das ist keine Entschuldigung. Es ist an der Zeit, dass Amerika und die Welt jene moralische Klarheit demonstrieren, zu der der US-Präsident peinlicherweise nicht in der Lage ist. (...)

Amerika steht als Folge dieser Ereignisse vor der Frage, wie es bis 2020 seine Werte und Institutionen sowie seinen gesellschaftlichen Anstand bewahren kann. Amerika hat viele Möglichkeiten, zu zeigen, dass es ein besseres Land ist, als Trump es erscheinen lässt. Es wird dabei sicher erfolgreich sein. Vor allem kommt es auf die moderaten Republikaner an. Sie müssen einen geeigneten Weg finden, sich vor den nächsten Wahlen von Trump abzuwenden. Wenn sie das nicht tun, werden sie verlieren. Und das hätten sie dann auch verdient.“

„Tages-Anzeiger“ (Zürich):

„Trump mag solche Auftritte, bei denen er pampig und beleidigt herumpoltern und angebliche Wahrheiten sagen kann, die sich sonst niemand zu sagen traut. Aber das, was Trump da von sich gegeben hatte, war keine unterdrückte Wahrheit. Es war nur ein Beweis dafür, dass dem derzeitigen amerikanischen Präsidenten etwas fehlt, das für dieses Amt eigentlich unerlässlich ist: ein moralischer Anker, ein paar grundsätzliche ethische Überzeugungen, anhand deren er das Böse vom Guten, das Richtige vom Falschen trennen könnte.

Es gab vor Trump schon viele US-Politiker, allemal aus den Reihen der Republikanischen Partei, die mit dem Rassismus in der Gesellschaft gespielt und taktiert haben. Aber es gab noch niemanden, der so offen und - auch wenn das ein altmodischer Begriff sein mag - schamlos mit der extremen, harten Rechten geliebäugelt hat wie Donald Trump.“

„De Standaard“ (Brüssel): „Trumps Auftritte in den vergangenen Tagen können eigentlich niemanden überraschen. Schon gar nicht seine eigene Partei, die versucht hatte, Schwarzen und anderen Minderheiten die Registrierung als Wähler zu erschweren - eine Praxis, die der Bundesgerichtshof in Virginia als rassistisch einstufte.(...) Unter Donald Trump ist wohl nichts zu verrückt, von Tag zu Tag zieht er moralische Standards weiter nach unten.

Doch es scheint, dass die Republikanische Partei - die Partei von Abraham Lincoln - nun an einem Scheideweg angekommen ist. Wenn die Republikaner sich jetzt nicht von den diskriminierenden, Zwietracht und Hass säenden Auftritten des Mannes distanzieren, der in ihrem Namen im Weißen Haus sitzt, wird sie das ewig verfolgen. Man würde sie dann stets in Verbindung bringen mit den Hassgruppen, die wir am vergangenen Samstag erlebt haben, und mit jenem Mann, der schützend die Hand über diese Gruppen hielt. Bisher haben die Republikaner wenig Rückgrat gezeigt, wenn es darum ging, Trump zu widersprechen. Jetzt bleibt ihnen nichts anderes übrig.“


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