Keine Zeit für Mona Lisa

Unser Trio für Frankreich: Mit Daniel Gastl, Michael Wagner und Martina Kuenz stellt der RSC Inzing gleich drei der fünf österreichischen Athleten bei der Ringer-Weltmeisterschaft (ab Montag) in Paris.

Mit Baguette und guter Laune im Gepäck reisen die drei Ringer des RSC Inzing zur Weltmeisterschaft nach Frankreich.
© Rudy De Moor

Von Benjamin Kiechl

Inzing –„Deine Ringer-Schuh­e stinken!“, stichelt Michael Wagner. „Deine riechen auch nicht nach Parfüm“, entgegnet Daniel Gastl. Eine lange Saison hinterlässt unausweichlich Spuren. Und fast hat es den Anschein, als wäre sogar die Ringer-Matte im Trainingslokal des RSC Inzing überstrapaziert worden. Sie wurde erst vor drei Wochen um fast 9000 Euro ausgetauscht und erstrahlt nun in frischen Farben. „Bill“, eine Gummipuppe für Ringer-Trainingszwecke, ist noch der Alte geblieben und gehört genauso zum Inventar wie die drei Vereins-Aushängeschilder. Daniel Gastl, Michael Wagner und Österreichs Nummer eins bei den Damen, Martina Kuenz, verbrachten im Keller der NMS Inzing unzählige Stunden. Das Ziel stets vor Augen. Bei der Ringer-Weltmeisterschaft (ab Montag) in Paris will das Inzinger Trio eine Duftmarke setzen.

Daniel Gastl: Der 24-jährig­e Blondschopf startet am Montag als Erster ins WM-Abenteuer und zählt gemeinsam mit dem Salzburger Amer Hrustanovic zu den größten Medaillenhoffnungen. Auch wenn das Ringer-Schwergewicht (bis 98 kg) die Erwartungen dämpft. „Wenn ich den Auftaktkampf gewinne, ist vieles möglich.“ Anders als bei der EM im Frühling („Da war ich zu verbissen“) will es der Heeressportler in Frankreich lockerer angehen. Diese Coolness sei auch in Zeiten von Terroranschlägen in Frankreich notwendig. „Es kann überall etwas passieren, sonst darf man gar nicht mehr wegfahren.“ Bei seiner dritten WM-Teilnahme nach Tashkent (UZB) und Las Vegas (USA) hat der Studenten-Vizeweltmeister auch die nötige Erfahrung im Gepäck. Dass er es kann, hat er mit Platz zwei beim Weltcup in Bukarest unlängst gezeigt.

Michael Wagner: Der Polizeischüler könnte sich wenige Tage vor seinem 25. Geburtstag (25. August) selbst das wohl schönste Geschenk machen. Mit einem Sieg in Madrid und Platz zwei beim top besetzten Weltcup in Rumänien blickt Wagner jetzt schon auf seine bislang erfolgreichste Saison zurück. Am Dienstag soll in der Kategorie bis 80 kg die Krönung folgen. „Die Vorfreude ist groß, ich will eine gute Show abliefern“, betont das Muskelpaket, das von Freundin Christina begleitet wird. „Sie möchte mit mir zum Eiffelturm und in Museen. Aber die Mona Lisa im Louvre kann warten“, meint er cool.

Martina Kuenz: Bei ihrer zweiten WM gehört sie gleich zu den Favoritinnen. Das hat die zweifache U23-Vize-Europameisterin nach ihrem Weltcupsieg in Guelph (CAN) hinlänglich bewiesen. „Bei einer guten Auslosung kann Martina sogar in die Medaillenränge vorstoßen“, sagt Frauen-Bundestrainer Benedikt Ernst optimistisch. Paris war für sie bereits bei ihrem ersten Weltcupsieg 2015 ein gutes Pflaster. Kuenz: „Dieses Wahnsinnsgefühl will ich wieder haben. Ich bin schon hungrig auf die Matte!“, betont die 22-Jährige. Die Tirolerin startet vor den Augen von einem guten Dutzend Inzing-Fans am Donnerstag (bis 69 kg) ihre WM-Mission. Neben Leonardo da Vincis Mona Lisa will sich auch Martina in Paris verewigen ...

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Ringer-WM in Paris

Zeitplan: Montag (Männer/Gr-röm): 71 kg: Benedikt Puffer (Wals), 85 kg: Amer Hrustanovic (Wals), 98 kg: Daniel Gastl (RSC Inzing). Dienstag (Männer/Gr-röm): 80 kg: Michael Wagner (Inzing).

Donnerstag (Frauen/Freistil): 69 kg: Martina Kuenz (Inzing).

Samstag (Männer/Freistil): 74 kg: Amirkhan Visalimov (Wals).


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