Bregenzer Festspiele - „To The Lighthouse“ bleibt orientierungslos

Bregenz (APA) - Mit der Uraufführung der Oper „To The Lighthouse“ auf der voll besetzten Werkstattbühne haben die Bregenzer Festspiele am Mi...

Bregenz (APA) - Mit der Uraufführung der Oper „To The Lighthouse“ auf der voll besetzten Werkstattbühne haben die Bregenzer Festspiele am Mittwoch die letzte Premiere der laufenden Saison gefeiert. Die Umsetzung des gleichnamigen Romans von Virginia Woolf in Musiktheater gestaltete sich vielschichtig und abstrakt. Trotz ausgezeichneter Leistungen der Darsteller löste sie beim Publikum aber keine Begeisterung aus.

Nach über drei Jahren Vorbereitungszeit war die Uraufführung von „To The Lighthouse“ das erste gezeigte Werk des von Intendantin Elisabeth Sobotka angeregten und in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz realisierten Opernateliers der Bregenzer Festspiele. Am Mittwochabend setzte Olivier Tambosi die Komposition von Zesses Seglias in Szene. Das Libretto stammt vom im Jänner überraschend verstorbenen Ernst Binder. Dieser übersetzte Woolfs rund 220 Seiten langen Roman in etwa zehn Seiten Operntext.

Eine sich entfaltende Handlung gibt es bei „To The Lighthouse“ (das in einem Sommerhaus auf der schottischen Insel Isle of Skye in den Jahren 1910 bis 1920 spielt) mehr oder weniger nicht. Einziger Ankerpunkt ist der Wunsch des heranwachsenden James, am nächsten Tag einen Ausflug zum nahe gelegenen Leuchtturm zu unternehmen. Als sein Vater meint, das werde wegen des voraussichtlichen Schlechtwetters nicht möglich sein, tritt er damit alle möglichen negativen Emotionen bei James und auch bei seiner Frau los. Die Fahrt des Sohnes mit seinem Vater zum Leuchtturm (die Mutter ist mittlerweile verstorben) wird erst zehn Jahre später stattfinden.

Ohne Aktion stehen folglich die einzelnen Figuren und die Beziehungen untereinander im Mittelpunkt. Dazu gehören neben Vater und Mutter Ramsay und Sohn James (Jean-Marc Salzmann, Vater; Christie Finn, Mutter; Matthew Richardson, James als Kind; Alexander York, James als Jugendlicher) auch die bildende Künstlerin Lily Briscoe (Sophia Burgos), die Haushälterin Mrs. McNab (Dalia Schaechter) sowie die Gäste Augustus Carmichael (Adrian Clarke), Charles Tansley (Taylan Reinhard) und William Bankes (Sebastian Soules). Gespräche zwischen den Protagonisten gibt es nur wenige, Einblicke in ihre Seelen erhalten die Festspielgäste vielmehr anhand innerer Monologe und Gedanken.

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Dazu vollbringen die neun Darsteller Höchstleistungen, hauchen, sprechen, singen, meist ist es nur einer, während die anderen wie zu Salzsäulen erstarrt auf der Bühne verharren oder sie auch verlassen. Zuweilen singen sie aber auch gegeneinander an. Die vom Symphonieorchester Vorarlberg gespielten Töne - besonders eindrücklich setzen sich die Violinen und das Schlagzeug in Szene - sind schrill und intensiv. Der Grundton der Musik bleibt dabei stets abstrakt bedrohlich, wie in Erwartung einer nahenden Katastrophe. Abstrakt präsentiert sich auch die Kulisse, die Bühne bleibt praktisch leer, Gegenstände werden lediglich angedeutet. Die Protagonisten bauen sich ihre Welt selbst. Ebenso sind die Kostüme schlicht gestaltet - typisches Gewand der damaligen Zeit.

Die Besucher auf der Werkstattbühne folgen dem Spiel gebannt, der Funke aber springt nur teilweise über. Die Leistungen des Ensembles honorieren sie mit langem und freundlichem Schlussapplaus. Bravo-Rufe aber bleiben aus.

(S E R V I C E - „To The Lightouse“ von Zesses Seglias im Rahmen der Bregenzer Festspiele in der Inszenierung von Olivier Tambosi. Es spielt das Symphonieorchester Vorarlberg unter der musikalischen Leitung von Claire Levacher. Mit Sophia Burgos, Christie Finn, Jean-Marc Salzmann, Dalia Schaechter, Matthew Richardson, Alexander York, Adrian Clarke, Taylan Reinhard, Sebastian Soules. Bühne: Jakob Kolding. Kostüme: Vibeke Andersen. Licht: Stefan Pfeistlinger. Dramaturgie: Olaf A. Schmitt. Weitere Aufführung auf der Werkstattbühne: 18. August. Informationen unter http://bregenzerfestspiele.com/de/programm/lighthouse)


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