Teure Ausbaggeraktion: Alles für die Fisch’?

Nach den Überschwemmungen am Gurglbach wurde im vorigen Herbst Geschiebe entnommen. Nun scheint der Pegel gleich wie zuvor.

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Von Hubert Daum

Tarrenz –Es war ein monate­langes Behörden-Hickhack um die Zuständigkeit mit letztendlichem Happy End: Weil der Gurglbach am Eingang der Tarrenzer Knappenwelt schon an „normalen“ Regentagen permanent über die Ufer trat und Felder und Zufahrtsweg unter Wasser setzte, stellte die Gemeinde Tarrenz den Antrag, Geschiebe zu entnehmen. Salopp ausgedrückt, das Bachbett ausbaggern zu dürfen, um den Pegel abzusenken. Vor exakt einem Jahr dann die sehnlichst erwartete Erlaubnis der Bezirkshauptmannschaft: Im 20 Seiten umfassenden Bescheid wurde dem Antragsteller gestattet, 250 Meter oberhalb und knapp unterhalb der Knappenweltbrücke mit dem Löffelbagger höchstens 2000 Kubikmeter Geschiebematerial zu entfernen. Dies wurde auch im Herbst erledigt.

„Die Aktion mit unzähligen Auflagen hat die Gemeinde und die Imster Stadtwerke 60.000 Euro gekostet“, weiß der Tarrenzer BM Rudolf Köll, „wobei die Verfahrenskosten zwei Drittel ausmachen.“ Die Einhaltung der gewässer­ökologischen Auflagen und jene, die die Fischerei betreffen, waren besonders umfangreich. Köll: „Damit sind wir immer noch befasst. Wir müssen den Limnologen fünf Jahre lang nachweisen, dass das Substrat enthalten ist, das die Äschen zum Laichen brauchen.“

Für den Wirt von „Happis Hütte“, die Bauern und die Besucher der Knappenwelt ist allerdings vordergründig, ob nun die Überschwemmungen der Vergangenheit angehören. Ein Lokalaugenschein der TT an einem Regentag letzte Woche zeigte jedoch, dass der Pegel annähernd gleich hoch ist wie vor der Materialentnahme, rund zehn Zentimeter unter der Brücke. „Ein bisschen was hat es schon gebracht“, zeigt sich Köll nicht gänzlich enttäuscht, „voriges Jahr war der Pegel höher. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Abflussmenge am Ende des Stausees immer gleich bleibt.“ Für den Tarrenzer Dorfchef wäre es wünschenswert, immer wieder Material entnehmen zu dürfen, ohne immer wieder ein neues Verfahren in Gang setzen zu müssen: „Das letztjährige Verfahren hat sich über ein Jahr hingezogen.“

Auch der betroffene Gastronom Alexander Happacher beurteilt die Situation als „a bissele besser“, allerdings ist er sicher, dass es „in absehbarer Zeit wieder so ist wie früher“. „Wir müssen uns vor Augen führen, dass pro Jahr bis zu 3000 Kubikmeter an neuem Geschiebematerial im Gurglbach nachkommen“, weiß Thomas Huber, Chef der Imster Stadtwerke, „das ist ja logisch, dass das entnommene Material durch neues ersetzt wird, weil der Stauraum weiter unten voll ist.“ Die Kosten würden 60.000 Euro übersteigen, da das limnologische Monitoring ja noch weiterzuführen ist. Huber kann sich nicht vorstellen, dass die Erlaubnis erteilt wird, das Bachbett mehrmals auszubaggern. Für ihn ist eine nachhaltige Lösung nicht in Sicht.


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