Tiroler Archäologen suchen nach US-Wrack aus Zweitem Weltkrieg

Innsbrucker Archäologen forschen in Kärnten nach einem 1944 abgestürzten US-Flugzeug. Auch in Tirol wird nach Wracks gesucht.

Im Dezember 1944 stürzte ein US-Pilot einer Erkundungsstaffel – im Bild drei der Maschinen dieses Typs – über Kärnten ab.
© iStockphoto

Von Philipp Schwartze

Innsbruck –Es sollte ein Flug zur Aufklärung werden, doch stattdessen kam es zum Absturz, der bisher nicht geklärt werden konnte: Am 23. Dezember 1944 startete eine US-Fliegerstaffel von ihrer Basis im italienischen Foggia zu einem Erkundungsflug gen Tschechien. Doch einer der Piloten geriet über Kärnten in Schwierigkeiten und stürzte bei Hohenthurn, südwestlich von Villach, ab. Bis heute konnte weder das Wrack noch der Leichnam des US-Soldaten geborgen werden. Das Einzige, was blieb, war die Nachricht des US-Militärs: „Missing in Action“ – vom Einsatz nicht zurückgekehrt.

Doch so soll es nicht bleiben. „Die amerikanische Armee hat eine eigene Abteilung – die Defense POW/MIA Accounting Agency (DPAA) –, die ihre Jungs aus der ganzen Welt heimbringt“, sagt Harald Stadler vom Institut für Archäologien der Uni Innsbruck. Über 70 Jahre nach dem Absturz war der Zeitpunkt für die Suche ideal: „Im Zuge des Studentenaustauschs der Uni Innsbruck und der University of New Orleans kamen diesen Sommer 12 Archäologie-Studenten aus den USA“, berichtet Stadler.

Mehr als 70 Jahre später suchen Grabungsleiter Greg Ryan aus New Orleans und Hobby-Flugzeughistoriker Roland Domanig (v. l.) die vermutete Absturzstelle auf.
© Stadler, Institut für Archäologi

Früher habe man sich für den Absturz offenbar nicht interessiert. „Nur die oberirdischen Trümmerteile wurden abgeräumt, weil man die Rohstoffe brauchte. Um die Dinge unter der Erde kümmerte sich niemand.“ Lediglich die örtliche Bevölkerung war später mehrmals mit Metall-Detektoren unterwegs. Gefunden wurde die Maschine dabei allerdings nicht.

Doch diese Hinweise von Ortsansässigen, Zeitzeugen und Hobbyhistorikern führten die Archäologen jetzt zur vermuteten Absturzstelle. Zwei Studenten von Stadlers Institut sowie ihre Kollegen aus New Orleans gruben dort vier Wochen lang. Offenbar mit Erfolg. „Wir haben Teile gefunden“, sagt Stadler knapp – denn mehr darf er noch nicht preisgeben. „Wir haben die Teile dokumentiert, jetzt werden sie in den USA noch forensisch und archäologisch untersucht“, sagt der Archäologe.

Erst in drei bis sechs Monaten wird das Ergebnis bekannt gegeben. Ein mit Spannung erwarteter Moment für die Archäologen. „Wir wissen alles über die Maschine – die Mustang P-51 –, aber das Einzelschicksal ist spannend. Die Geschichte des Piloten will ich erzählen“, sagt Stadler. Wie oft kommt es schließlich vor, dass ein Archäologe zu Ausgrabungen noch Zeitzeugen oder Angehörige befragen kann?

Zur vermeintlichen Absturzstelle brachte die Forscher unter anderem der Hobby-Flugzeughistoriker Roland Domanig. Der Lienzer sucht auch in Tirol nach abgestürzten Maschinen. „Tirol war in den Kriegsjahren Überflugs-, Bombardierungs- und Kampfgebiet von amerikanischen und deutschen Kriegsflugzeugen. Dabei gingen nicht wenige Flugzeuge auf Tiroler Boden nieder“, meint Domanig. Bekannte Abstürze seien etwa 1944 im Pinnistal/Stubaital und auf der Marchreisenspitze/Axamer Lizum passiert.

Doch Domanig, der sich seit einer bewegenden Schilderung seiner Tante über einen rauchenden US-Bomber, der auf ihr Wohnhaus zuraste, für abgestürzte Kriegsflieger interessiert, vermutet noch mehr, konkret im Stubaier Gletschergebiet. „Der bekannte Maler Hans Salcher, einst Wetterbeobachter im Bereich der Berge Rotadl, Daunkopf und Bockkogel, berichtete, dass er in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts dort im tiefer liegenden Gelände Flugzeugteile gesehen und fotografiert hätte.“ Für Domanig eine Spur, doch leider gibt es die Fotos nicht mehr.

Als Hobby-Flugzeugarchäologe will er den Absturz aber aufklären. „Bergsteiger, Jäger, Veteranen, Tourengeher, Chronisten, Geologen“, so hofft er, könnten dabei helfen. Er bittet um Hinweise an: domanig.tirol@utanet.at.


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