„Legale Zwischennutzung würde vielen helfen“

Der Verein für Obdachlose schlägt vor, Leerstände wie in Pradl-Ost bis zum tatsächlichen Abriss für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen.

© Domanig

Innsbruck –Die Diskussion über laufende Abrissarbeiten im Zuge der schrittweisen Erneuerung der Südtiroler Siedlung in Pradl-Ost (die TT berichtete) zieht weitere Kreise: Michael Hennermann, Geschäftsführer des Vereins für Obdachlose, lässt nun mit dem Vorschlag aufhorchen, Leerstände wie jene der Neue­n Heimat (NHT) in Pradl vorübergehend für Menschen zu nutzen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind.

Aufgrund der „Knappheit an günstigem Wohnraum“ in Innsbruck stünden viele Klienten des Vereins bei der Wohnungssuche vor immensen Schwierigkeiten, schildert Hennermann. Auch immer mehr armutsgefährdete bzw. -betroffene Menschen, die derzeit zwar wohnversorgt seien, bei denen aber der Mietvertrag nicht verlängert werde, würden die Unterstützung der Beratungsstelle suchen. „Manchmal geht es sich nicht aus, rechtzeitig etwas zu finden. Diese Menschen werden dann mitunter auch obdachlos.“

Der Verein schlage daher schon zum wiederholten Mal vor, einen Teil der Leerstände bis zum wirklichen Abriss „in einer Form der legalen Zwischennutzung“ für Klienten zu verwalten – Betreuung inklusive. Sicherheitsbedenken durch etwaige illegale Nutzung, wie sie NHT-Geschäftsfüher Hannes Gschwentner geäußert hatte, könnten dadurch verhindert werden, meint Hennermann. „Zudem wäre vielen Menschen in Notsituationen geholfen.“

Die Liste Fritz verweist in diesem Zusammenhang auf einen Antrag, den man bereits im Juni 2016 im Landtag eingebracht habe, der damals aber keine Mehrheit fand. Darin wurde die Landesregierung aufgefordert, „zu prüfen, ob und in welcher Form Sozialorganisationen zur Linderung der Wohnungsnot eine Zwischenvermietung und Zwischennutzung von Wohnungen oder Häusern, die bis zum endgültigen Abbruch oder bis zur anstehenden Sanierung leer stehen, angeboten werden kann“. Allen Beteiligten sei bewusst, dass es sich um eine „zeitlich begrenzte Nutzung mit einem klar festgelegten Ablaufdatum handelt“, argumentierte die Liste Fritz damals.

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NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner zeigt sich grundsätzlich offen: „Herr Hennermann kann sich gerne mit uns in Verbindung setzen, man kann über alles reden.“ Allerdings gebe es diverse Hürden zu überwinden: So würden leerstehende Wohnungen stillgelegt, „sie verfügen also über keinen Strom- und Wasseranschluss mehr“. Die Frage sei auch, wer gegebenenfalls die Gebühren übernehme. „Und wir wissen auch nicht, wie lange die Objekte stehen bleiben werden.“

Zur Kritik von verbliebenen Mietern im Bereich Türingstraße/Amthorstraße – sie fühlen sich durch die Abrissarbeiten „unter Druck gesetzt“ und sind mit den bisherigen Angeboten zur Absiedlung nicht zufrieden – meint Gschwentner: „Die Mieter erhalten von uns eine neue Wohnung nach ihren Wünschen, erneut einen unbefristeten Mietvertrag, Unterstützung bei der Übersiedlung und 15.000 Euro.“ Der „Versuch, hier einen Kampf David gegen Goliath zu inszenieren“, sei unverständlich, so Gschwentner: „Wir bemühen uns sehr um unsere Kunden.“ (md)


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