Reise-Mogelpackung: Was tun bei richtig ärgerlichen Flugzeiten?

Flüge am Tagesrand drohten die Aufenthaltsdauer eines Dreitagestrips nach Hamburg auf die Hälfte zu verkürzen. Dass das nicht in Ordnung ist, sah letztlich auch das Reisebüro ein.

Hamburg im Landeanflug haben zwei Tirolerinnen dann doch noch gesehen. Nach einigem Hin und Her passten die Flugzeiten.Foto: iStock
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Von Markus Schramek

Innsbruck –Reisezeit – das ist leider auch eine Zeit der unliebsamen Überraschungen. Der Wettbewerb in der Branche ist sportlich. Reisebüros und -veranstalter rittern um Stücke eines Ertragskuchens, der kleiner wird. Online-Buchungen tun ein Übriges, sie naschen kräftig mit. Viele Kunden begeben sich erst gar nicht mehr persönlich in einen Tourismusfachbetrieb, um den Urlaub zu fixieren. Schöne neue Ferienwelt.

Und die Folgen dieser Entwicklung? Es wird knallhart kalkuliert und gespart. Und so manches verlockende Reiseangebot wird mit Worten beworben, die sich bei näherer Betrachtung auflösen – in Schall und Rauch nämlich.

So ist es auch zwei Tirolerinnen ergangen. Sie haben sich mit ihrem berechtigten Groll an Michael Motz vom TT-Ombudsteam gewandt, um ihr seltsames Buchungserlebnis zu schildern. Und das lief folgendermaßen ab.

Die beiden Freundinnen buchten bei einem Salzburger Reisebüro eine Flugreise in die Metropole an der Elbe, nach Hamburg. Beworbene Dauer des Städtetrips: 3 Tage. Da kann man sich in der Hansestadt zwischen Hafen, Altstadt und Elbphilharmonie schon einiges ansehen.

Beim Erhalt der Flugzeiten acht Tage vor Reiseantritt verflog die Vorfreude des Tiroler Duos allerdings. Hin- und Rückflug waren dermaßen ungünstig gelegt, dass der vermeintliche Dreitagesbesuch dahinschwand wie ein Pfifferling unter der Sonne. Ein später Hinflug am ersten Tag der Reise sowie ein früher Rückflug am dritten ergaben netto eine Aufenthaltsdauer von 1,5 statt 3 Tagen.

Kollege Motz kam dieser Schrumpfungsprozess suspekt vor. Er witterte eine touristische Mogelpackung und holte die Fachmeinung der Tiroler Arbeiterkammer (AK) ein. Und siehe da: Auch bei den Konsumentenschützern wird das Flugarrangement höchst kritisch hinterfragt.

Für AK-Jurist Christian Schuster-Wolf stellt sich aufgrund der Faktenlage die Frage, ob zwischen den beiden Hamburg-Fans und dem Salzburger Reisebüro überhaupt ein gültiger Vertrag zustande gekommen sei. „Allenfalls könnte man den Vertrag wegen Irrtums anfechten, wenn man in Kenntnis der echten Flugzeiten nicht gebucht hätte“, lautet Herrn Schuster-Wolfs Rechtsbefund. Doch es gibt dazu auch eine Alternative: „Tritt jemand die Reise trotz einer solchen zeitlichen Verschlechterung an, kann der Reisende auch Preisminderung geltend machen“, so der AK-Mitarbeiter.

Aus der Sicht Schuster-Wolfs sind derart ungünstige Flugzeiten wie im vorliegenden Hamburg-Fall sachlich nicht zu rechtfertigen. „Es geht dabei wohl um kommerzielle Motive“, meint der Rechtskundige. Soll heißen: Flüge zu ungünstigen Zeiten sind billiger als zu günstigen. Der Reiseveranstalter steigt also finanziell besser aus.

Generell gelten nach den einschlägigen EU-Vorschriften enge Schranken für die Umbuchung oder Verschiebung von Flügen nach erfolgter Buchung, wie Schuster-Wolf weiter ausführt. Die Änderung der Flugzeiten müsse demnach „geringfügig“ und „sachlich gerechtfertigt“ sein. Ist nicht beides der Fall, könnten die Kunden gegenüber dem Veranstalter die Buchung stornieren und das Geld zurückverlangen.

Offenbar war das auch dem Salzburger Reisebüro bewusst. Denn dieses bekam kalte Füße, wie Michael Motz von den beiden Tiroler Hamburgreisenden noch kurz vor deren Abflug erfuhr. Plötzlich war es doch möglich geworden, die Elbestadt zu vernünftigen Zeiten anzufliegen und von dort wieder retour.

Und das Fazit aus diesem hochsommerlichen Ringelspiel? Als Konsument sollte man sich nicht damit abfinden, wenn man sich über den Tisch gezogen fühlt. Das eigene Bauchgefühl trügt ja meistens nicht. Nur muss man sich selbst auf die Hinterbeine stellen und sich entsprechend wehren.

Die Arbeiterkammer und der Verein für Konsumenteninformation (VKI) sind dabei gerne behilflich.


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