Fußball: Salzburg spielt bei Explosion auf Transfermarkt nicht mit

Constanta (APA) - Im Fußball-Transfermarkt steckt so viel Geld wie noch nie. Österreichs Meister Red Bull Salzburg bekommt die Folgen des 22...

Constanta (APA) - Im Fußball-Transfermarkt steckt so viel Geld wie noch nie. Österreichs Meister Red Bull Salzburg bekommt die Folgen des 222-Millionen-Wechsels von Neymar zu Paris Saint-Germain zwar nur indirekt zu spüren. Mit der Einhaltung des Financial Fairplay haben die Salzburger - im Gegensatz zu einigen europäischen Großclubs - aber keine Probleme.

„Unser klares Ziel ist es, dass wir Transferüberschüsse generieren“, erklärte Salzburgs kaufmännischer Geschäftsführer Stephan Reiter im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. „Wir wollen ganz klar mehr einnehmen, als wir ausgeben“, ergänzte Sportdirektor Christoph Freund. Für junge Talente werde aber weiterhin Geld in die Hand genommen - um diese dann „zu ganz anderen Preisen“ wieder zu verkaufen.

Alleine in den vergangenen drei Jahren haben die Salzburger mehr als 100 Millionen Euro aus Spielerverkäufen lukriert. Der FC Barcelona hat für diese Summe aber bereits Probleme, auch nur einen einzigen geeigneten Ersatz für Neymar zu finden. „Dass der Markt überhitzt ist, ist klar“, meinte Reiter. „Wie schnell sich das wieder reguliert, ist schwer abzuschätzen.“

Auch Freund sieht eine „grenzwertige Entwicklung. Es ist im Moment sehr viel Geld im Markt drinnen durch Investoren und TV-Gelder, die astronomisch hoch sind.“ Eine Selbstregulierung würde nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich die Ablösen wieder nach unten entwickeln. „So lange es Leute gibt, die so viel Geld in den Markt geben, wird das Geld auch in Umlauf gehen. Die Spieler werden es immer nehmen, die Berater spielen auch immer mit.“

Den Salzburgern sind die Marktwert-Entwicklungen ihrer Ex-Spieler Sadio Mane (Liverpool) oder Naby Keita (RB Leipzig) nicht entgangen. „Das kann unsere Fans auch stolz machen“, meinte Reiter. Durch Weiterverkäufe könnte der ÖFB-Meister selbst vom boomenden Markt profitieren. Die Budgetplanung beinhaltet nicht erst seit der Reduktion des Red-Bull-Engagements auf einen Hauptsponsorvertrag Transferüberschüsse.

Das Financial Fairplay der UEFA besagt im Wesentlichen, dass Vereine bei relevanten Einnahmen - neben Transfersalden sind darin auch Ticketing oder Merchandising enthalten - im Zeitraum von 2016 bis 2018 nicht mehr als 30 Millionen Euro Minus schreiben dürfen. Dazu prüft der europäische Verband, wenn ein einziger Geldgeber mehr als 30 Prozent der relevanten Einnahmen eines Clubs trägt, das Sponsoring auf dessen Marktüblichkeit. Das war auch bei Salzburg der Fall.

Den Megadeal für Neymar haben die PSG-Eigentümer aus Katar möglich gemacht. Die Verpflichtung des Brasilianers könnten die Pariser aber auch mit einem gesteigerten Werbewert rechtfertigen. Ein Urteil über den Rekordtransfer wollten die Salzburger mangels Detailkenntnis nicht abgeben. „Es wirft natürlich gewisse Fragen auf, aber sie werden ihre Lösungen gefunden haben“, sagte Freund.

Die haben die Salzburger auch für sich gefunden. Das Wichtigste in der Transferstrategie seien nach wie vor Scouting und frühe Talenterkennung, meinte der Sportchef. Nur dann könne man vor anderen Clubs auf interessante Spieler zugehen. „Sobald man zu langsam ist oder zu lange wartet, hat man keine Chance, so große Talente nach Österreich zu bekommen. Die Geschwindigkeit ist ganz, ganz wichtig.“

Mit Romano Schmid etwa steht ein 17-Jähriger von Sturm Graz ante portas, der bisher 66 Pflichtspiel-Minuten für die erste Mannschaft der Grazer absolviert hat. Der Offensivmann gilt als eines der größten Talente Österreichs. Handlungsbedarf sieht Freund ansonsten bis Transferschluss am 31. August nur noch bedingt. „Ich glaube, dass wir ganz gut aufgestellt sind, auch von den Positionen her.“

Der Kader ist allerdings kein kleiner. Im Mittelfeld etwa ist der Meister trotz der Abgänge von Konrad Laimer und Valentino Lazaro immer noch sehr dicht besetzt. Umso wichtiger wären Gruppenspiele in der Europa League. Unmittelbare Auswirkungen auf die Kaderplanung hätte der Ausgang des Play-offs gegen Viitorul Constanta laut Freund zwar keine. „Aber auch für die Entwicklung der Spieler wäre es sehr wichtig, diese Spiele zu haben im Herbst.“

(B I L D A V I S O - Aktuelle Bilder von Salzburg-Geschäftsführer Stephan Reiter und Sportdirektor Christoph Freund sind im AOM vom 16. August 2017 abrufbar.)


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