Zillertalbahn dampft in die schwarzen Zahlen

Erstmals seit Jahren konnten die Zillertaler Verkehrsbetriebe 2016 einen Gewinn erwirtschaften – u. a. durch die Reduktion der Personalkosten.

Zufriedene Gesichter nach der Bilanz-Präsentation: die beiden Vorstände Wolfgang Stöhr (2. v. l.) und Helmut Schreiner (3. v. l.), flankiert vom Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Hörl und seinem Stellvertreter Dominik Mainusch (r.).
© Dähling

Von Angela Dähling

Zell a. Z. –Wolfgang Stöhr hatte gestern in Zell seinen großen Auftritt. Denn da präsentierte der Vorstand der Zillertaler Verkehrsbetriebe (ZVB) bei der Vollversammlung ein Jahresergebnis, das seit Jahren erstmals wieder einen Gewinn auswies: Exakt 977.039,87 Euro sind der Gewinn- und Verlustrechnung als „Ergebnis nach Steuern“ zu entnehmen. „Das operative Ergebnis beläuft sich auf knapp 822.000 Euro“, erklärt Stöhr. „Beeindruckend“ nannte das BM Dominik Mainusch als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. „Jahrzehntelang war das nicht möglich, dank Stöhr haben wir den Turn­around geschafft“, erklärte der wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Franz Hörl. Wie dieses Ergebnis möglich war? „Durch Optimierung der Aufwände“, erklärte Stöhr, um auf Nachfrage dann zu konkretisieren: „Personalaufwände wurden reduziert und etwa ältere Mitarbeiter in Pension geschickt und durch jüngere, kostengünstigere nachbesetzt.“

Wie berichtet, hatte die Personalpolitik auch zwei Arbeitsgerichtsprozesse zur Folge, von denen einer noch immer nicht abgeschlossen ist. Im zweiten Fall trennte man sich nach dem Rechtsstreit von dem leitenden Mitarbeiter und zahlte ihm eine Abfindung aus. Nachdem Stöhr mit Helmut Schreiner vor einigen Monaten ein zweiter Vorstand (für den technischen Bereich) zur Seite gestellt worden war, stellte man den Mann aber wieder ein. Auf die Frage, ob die ZVB mittelfristig zwei Vorstände behalte, antwortete Hörl: „In den nächsten Monaten schon.“ Mainusch revidierte: „Nein, die nächsten vier Jahre.“

In die schwarzen Zahlen fuhr der Dampfzug, der nun nicht mehr von den TVBs mit 78.000 Euro unterstützt werden wird. Die Umstrukturierungen, durch die 56 Dampfzugfahrten eingespart wurden und aufgrund derer es neue Kombi-Angebote gibt, wirkten sich positiv auf die Umsätze aus. „In den letzten zwei Jahren konnten wir die Fahrgastzahlen um 30 Prozent steigern“, berichtete Stöhr. Auf den 230 Dampfzügen fuhren 2016 43.500 Personen mit. Auch auf den regulären Dieselzügen seien die Fahrgastzahlen um 11,3 Prozent auf rund 2,44 Mio. gestiegen. Wie berichtet, hat die kleine Bahn große Pläne. Bis Dezember will Vorstand Helmut Schreiner dem Aufsichtsrat die Analysen zu den beiden künftigen möglichen Antriebsarten (elek­trisch oder mit Wasserstoff) vorlegen. Auch der Grundstücksbedarf und mögliche Grundtauschprojekte für eine Trassenverlegung zur Zeller Bergbahn hin sind in Arbeit. Vorbild ist laut Hörl hier das Pustertal/Kronplatz.

Der „die Zumutbarkeitsgrenze überschreitende Stau im Zillertal“ (Zitat Mainusch) soll bereits im nächsten Jahr durch ein attraktiveres Bahnangebot im Ausflugsverkehr entschärft werden. „Wir wollen mit dem VVT ein günstiges Wochenticket für Touristen organisieren“, sagt Hörl. Dies würde nicht in die Zillertal Aktivcard integriert werden. „Denn hier ist preislich der Plafond erreicht“, argumentiert Hörl. Weit mehr Gäste schon bei der Anreise auf die Bahn zu bringen, sei mittelfristig nicht realistisch, sind sich Hörl und Mainusch einig. Ziel für Pendler sei es, dass sie in Zukunft in 70 Minuten von Mayrhofen bis Innsbruck mit der Bahn fahren können.

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