Tiroler Rentner starb an Salmonellen

Nach dem europaweiten Salmonellenausbruch im Jahr 2014 offenbart die Anklage gegen den Bayern-Ei-Geschäftsführer Tierquälerei, Vertuschung – und ein Todesopfer in Tirol.

Bei Bayern-Ei waren laut Staatsanwaltschaft in Käfigen teils 133 anstatt 60 Hennen eingepfercht.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Regensburg –Während erst am Donnerstag bekannt geworden ist, dass nun auch in Tirol zwei mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier-Proben festgestellt wurden, war es im Sommer 2014 zu einem europaweiten Ausbruch von Salmonellen gekommen. Hunderte Personen waren nach dem Genuss eierhaltiger Speisen erkrankt. 95 davon in Österreich, 69 in Tirol. Bei einer einzigen Person sieht es die Staatsanwaltschaft Regensburg aber als gesichert an, dass sie in direkter Folge des Verzehrs kontaminierter Eier verstorben war.

Laut der der TT vorliegenden Anklage gegen Bayern-Ei-Geschäftsführer Stefan P. handelt es sich um einen 94-jährigen Innsbrucker, der zur Ausbruchszeit von den Innsbrucker Sozialen Diensten (ISD) mit Essen auf Rädern beliefert worden war. Obwohl damals bei von der ISD betreuten Personen plötzlich auffällig viele Magen-Darm-Erkrankungen festgestellt worden waren, war das Ableben des Innsbrucker Pensionisten im September erst relativ spät bekannt geworden.

Laut Staatsanwaltschaft Regensburg hatte die Bayern-Ei – und nicht nur diese – alles getan, um den Ausbruch der „Salmonella Enteritidis PT14b“ zu verheimlichen. So wurde dieses Frühjahr ein Untersuchungsausschuss im bayrischen Landtag beschlossen, um zu klären, ob die Bayern-Ei-Affäre im dortigen Umweltministerium „systematisch vertuscht wurde“.

Die Anklage gegen den inhaftierten Geschäftsführer P. liest sich indes wie ein besonders unappetitlicher Wirtschaftskrimi. Gefährliche Körperverletzung in 187 Fällen, beim Tiroler mit Todesfolge, Tierquälerei und Verstöße gegen das Lebensmittelrecht werden dem 46-Jährigen vorgeworfen. Dem Unternehmer drohen dafür 15 Jahre Haft. Ein letztes von der Verteidigung beantragtes Gutachten zum Todesfall trennt die Anklage nun noch vom Mega-Prozess.

Zum Ausbruch war es 2014 gekommen, da sich in den Hühnerställen unvorstellbares Tierleid zugetragen haben soll. Laut Staatsanwaltschaft waren in Käfige 133 anstatt der erlaubten 60 Hennen gepfercht. Ohne Genehmigung waren unter schlechtesten hygienischen Bedingungen 523.446 anstatt 487.500 Legehennen eingestallt. Als die Salmonellenerkrankung bereits belegt war, hatte P. laut Anklage trotzdem wissentlich die kontaminierten Eier weiterverkauft und diese auch noch auf Betriebsstätten verteilt. Zudem soll dem Handel durch die als Güteklasse A deklarierten Eier ein Schaden von über drei Millionen Euro entstanden sein. Für die Endabnehmer nicht zu durchschauen.

So gingen die Eier im Fall der ISD erst an einen unverdächtigen deutschen Hühnerhof mit schön klingendem Namen. Der verkaufte die „A“-Eier darauf an einen Tiroler Lebensmittelhändler weiter, welcher wiederum mit der ISD in Vertrag gestanden hatte.

Nachdem verschiedene Ärzte und die ISD selbst Salmonellen-Erkrankungen gemeldet hatten, wurde die AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit) aktiv. Und war nach komplexer Ursachenfahndung in Tirol schließlich auf die Großküche der ISD gekommen.

ISD-Geschäftsführer Hubert Innerebner zeigte sich über die Erkenntnisse der Regensburger Anklage im Gespräch mit der TT sehr betroffen. Eine Verständigung der ISD war nicht erfolgt. Trotz des großen Bedauerns sei die Angelegenheit für die ISD bis zum heutigen Tag mysteriös. Innerebner: „Schon aus ethischen Gründen verwenden wir bewusst keine Käfigeier. Dies belegten auch unsere Lieferscheine des Handelspartners ganz eindeutig. Auch Rückstellproben der produzierten Speisen waren negativ verlaufen.“

„Wann und wie die verseuchten Eier in unseren Kreislauf gekommen sind“, ist laut Innerebner „schleierhaft“. Bei täglich 1400 Essen sei schon vor dem Vorfall „ein überaus hoher Sorgfaltsmaßstab an den Tag gelegt worden“. Seit 2014 habe man nochmals zugelegt. So sei die Schulung der Mitarbeiter intensiviert worden, dazu finden jetzt bei der ISD unangemeldete Hygienetests statt.


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