US-General hält „militärische Option“ gegen Nordkorea aufrecht

Peking (APA/dpa) - In der Krise mit Nordkorea hat der amerikanische Generalstabschef Joseph Dunford die Option eines Militäreinsatzes bekräf...

Peking (APA/dpa) - In der Krise mit Nordkorea hat der amerikanische Generalstabschef Joseph Dunford die Option eines Militäreinsatzes bekräftigt. Vor einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am Donnerstag in Peking sagte der höchste US-Militär: „Es gibt keinen Zweifel, dass es absolut entsetzlich wäre, wenn es zu einer militärischen Lösung des Problems käme.“

Es dürfe aber nicht zugelassen werden, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un Atomwaffen besitze. Eine militärische Option sei für ihn deswegen nicht unvorstellbar, sagte Dunford. „Unvorstellbar ist, Kim Jong-un zu erlauben, ballistische Raketen mit einem Atomsprengkopf zu entwickeln, die die USA und weiter die Region bedrohen. Das ist nicht akzeptabel.“

Der General reagierte auf Fragen von Journalisten, nachdem der Chefstratege des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Bannon, eine solche Lösung in Zweifel gezogen hatte. „Es gibt keine militärische Lösung. Vergiss es“, hatte Bannon in einem Interview der Publikation „The American Prospect“ gesagt. Er verwies darauf, dass durch Nordkoreas Vergeltung allein mit konventionellen Waffen in den ersten 30 Minuten Millionen Menschen in Seoul ums Leben kommen könnten.

Dunford verwies auf die Anweisung Trumps an das US-Militär, machbare militärische Optionen zu erarbeiten. „Und genau das ist es, was wir tun.“ Alle arbeiteten auf eine friedliche Lösung hin, die auf jeden Fall der beste Weg sei. „Aber wir werden dafür bezahlt, dass wir militärische Optionen entwickeln, und wir haben militärische Optionen entwickelt“, sagte der General.

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In einem Gespräch mit Dunford warnte aber der Vizevorsitzende der chinesischen Militärkommission, General Fan Changlong, vor einem Militärschlag. „Dialog ist der einzig wirksame Weg zu Lösung der Probleme auf der koreanischen Halbinsel“, sagte der hohe General. „Militärische Maßnahmen sollten keine Option sein.“

Trotz des Widerstands Chinas gegen ein militärisches Vorgehen kann der ungewöhnlich hohe Empfang des obersten US-Militärs durch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auch als Warnsignal an Nordkoreas Führer gewertet werden. Beide Generalstäbe vereinbarten einen Kommunikationsmechanismus, um sich im Notfall schnell auszutauschen.

Bei seinem Ostasienbesuch hatte Dunford vorher Gespräche in Seoul geführt; er wollte von Peking nach Tokio weiterreisen. Am Vortag hatte Dunford die chinesische Führung schon zu mehr Druck auf Nordkorea aufgefordert. Trump hatte Nordkorea nach neuen Raketentests mit „Feuer und Wut“ gedroht, während Nordkorea ankündigte, Raketen in Gewässer nahe der US-Pazifikinsel Guam abfeuern zu wollen. Kim Jong-un stellte die Pläne dann aber vorerst wieder zurück.

Auch wenn die USA und China im Nordkorea-Konflikt kooperieren, gibt es schwere Differenzen über die chinesischen Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Seit Trumps Amtsantritt kreuzten US-Kriegsschiffe schon dreimal nahe strittigen, von China beanspruchten Inseln, um für die Freiheit der Schifffahrt einzutreten. Peking sieht dadurch seine Souveränität verletzt. Der Internationale Schiedshof in Den Haag hatte Chinas Ansprüche vor einem Jahr aber zurückgewiesen.

Differenzen gibt es mit den USA auch über die amerikanische Rüstungshilfe für Taiwan, das Peking nur als abtrünnige Provinz betrachtet, und über die Aufstellung des Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea. Dessen weitreichendes Radar kann auch China erfassen.


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