Süßer kann der Tod kaum besungen werden

Nuria Rial gastierte im Rahmen der Festwochen mit einer Hommage an Johann Sebastian und Anna Magdalena Bach im Schloss Ambras.

© Melanie Lechner

Innsbruck –Für diesen Abend haben die Musiker Kammermusik, Kantaten und Arien rund um Johann Sebastian Bachs Notenbüchlein zusammengestellt, das er seiner Frau Anna Magdalena zueignete. Das Notenbüchlein, bestehend aus zwei Notenheften, kann als Sammlung der Lieblingsstücke der Familie Bach betrachtet werden. Gleichermaßen umfasste das abwechslungsreiche Abendprogramm Solostücke für Laute, Violoncello und Cembalo, ebenso Arien sowie Sonaten für Violine oder Cembalo mit Basso continuo.

Den Rahmen stellte Bachs rührende Arie „Willst du dein Herz mir schenken“, deren ersten beiden Strophen das Konzert eröffneten und die letzten beiden den Abend beschlossen. Anna Magdalena, die selbst eine großartige Sopranistin und Mutter von zwölf eigenen und vier Ziehkindern war, war auch als Kopistin der Kompositionen ihres berühmten Mannes tätig, sodass diese in ihrer Handschrift hinterlassen sind. Passend zu dieser konzertanten Würdigung einer großen Frau, ist auch die Leistung der drei Frauen auf dem Podium hervorzuheben: Allen voran die katalonische Sopranistin Nuria Rial, die durch die Unmittelbarkeit ihrer glockenhellen Stimme überzeugte. Rial zeigte in der Höhe Abphrasierungen voller Präsenz und Leichtigkeit und zugleich dynamische Abstufungen in den Koloraturen der Bachwerke – süßer wie in „Ich habe genug – Schlummert ein ihr matten Augen“ kann der Tod wohl kaum besungen werden.

Mime Yamahiro-Brinkmann bot am Cello zwei herausragend ausdrucksstarke Interpretationen aus den Solo­suiten, bei denen auch sie ihr Instrument zum Singen brachte. Den Festwochen seit vielen Jahren eng verbunden, führte Mariangiola Martello das Ensemble am Cembalo sowie an der Orgel sicher und in den Solostücken zart-perlend durch den Abend.

Insgesamt setzte die feuchte Schwüle den Saiten an diesem Abend besonders zu, die geplante Durchgängigkeit in der Darbietung der Stücke erschwerte erforderliches Nachstimmen, vor allem für die Violine, die streckenweise uneinig zum Ensemble erklang. Die Besonderheit des Aufführungsortes kam im ersten Teil des Abend wieder gut zur Geltung, als die lauten Pfauenrufe eine Umdeutung des Festwochen-Slogans von „Wir klingen original“ in „Wir klingen originell“ nahelegten. (cp)


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