Barcelona-Terror - Tote und Verletzte - Täter auf der Flucht

Barcelona (APA/Reuters/dpa) - Bei einem Anschlag im Zentrum von Barcelona sind nach Polizeiangaben mindestens ein Mensch getötet und 32 verl...

Barcelona (APA/Reuters/dpa) - Bei einem Anschlag im Zentrum von Barcelona sind nach Polizeiangaben mindestens ein Mensch getötet und 32 verletzt worden. Der Sender Cadena Ser berichtete unter Berufung auf Polizeikreise von mindestens 13 Toten. Den Behörden zufolge raste am Donnerstag ein Kleintransporter in eine Gruppe von Dutzenden Menschen in der Fußgängerzone La Rambla.

Der Vorfall werde als Terrorakt eingestuft, teilte die Polizei mit. Der Fahrer des Wagens werde gesucht, erklärte die Polizei weiter. Der Zeitung „El Pais“ zufolge floh er zu Fuß vom Tatort. Die Zeitung „El Periodico“ berichtete ohne Angaben von Quellen, zwei bewaffnete Männer hätten sich in einer Bar verschanzt. Zudem seien Schüsse im Markt „La Boqueria“ zu hören gewesen. Ob die Vorfälle in Verbindung standen, war zunächst unklar.

Medienberichten zufolge fuhr der Wagen mit hoher Geschwindigkeit in einem Zick-Zack-Kurs durch die bei Touristen beliebte Straße. „Er wurde überhaupt nicht langsamer“, sagte ein Augenzeuge der BBC. „Er fuhr einfach mittel durch die Menschenmassen auf den Ramblas.“

Die Zahl der Todesopfer werde wahrscheinlich weiter steigen, sagte der katalanische Innenminister Joaquim Forn am Abend. Zu dem Anschlag habe sich zunächst niemand bekannt.

Die Beamten waren mit einem großen Aufgebot am Ort und forderten die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, der Lieferwagen sei mit hohem Tempo näher gekommen, die Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen und Geschäften in Sicherheit gebracht. Die betroffene Gegend um die Flaniermeile Las Ramblas wurde weiträumig abgesperrt.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Menschen hätten versucht, sich in Sicherheit zu bringen, sagte der katalanische Innenminister.

Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen tragen, wie die Zeitung „El Periodico de Catalunya“ berichtete. Nach ihm werde gesucht, zitierte das Blatt die katalanische Regionalpolizei.

Bei dem weißen Lieferwagen, der für das Attentat benutzt wurde, soll es sich nach Medienberichten um ein gemietetes Fahrzeug gehandelt haben. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollten, sei nahe Barcelona gefunden worden, schrieben katalanische Zeitungen.

Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen, berichteten Augenzeugen. Die Geschäfte auf der Rambla hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen. Polizei geht durch und überprüft, dass keine Terroristen da sind. Die Behörden riefen zu Blutspenden auf.

Nach bisher unbestätigten Berichten mehrerer Medien sollen sich mehrere Menschen in einem Restaurant verschanzt haben. Polizeimitarbeiter hätten bestätigt, dass sich der oder die Täter in einer Bar im Bezirk Raval verschanzt hätten, berichtete die Zeitung „La Vanguardia“.

Barcelona wird jährlich von mindestens elf Millionen Touristen besucht. Bis jetzt liegen noch keine Informationen zu Opfern und deren Staatsangehörigkeit vor. Reisenden wird geraten, den Bereich weiträumig zu meiden, den Anweisungen der Sicherheitskräfte Folge zu leisten und sich über die lokalen Medien zu informieren.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte, die Regierung stehe mit allen Behörden in Barcelona in Kontakt.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte in Washington, alles spreche für einen Terroranschlag. Sein Land und die Verbündeten seien entschlossen, Terroristen auf der ganzen Welt ausfindig zu machen und vor Gericht zu bringen.

In Berlin, Nizza, Stockholm und London sind islamistische Attentate mit Lastwagen oder Kleintransportern verübt worden. In Madrid hatten Islamisten im März 2004 Sprengsätze in Nahverkehrszügen gezündet. Dabei wurden 191 Menschen getötet, mehr als 1800 wurden verletzt.


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