Barcelona-Terror - Viele Tote - Zwei Festnahmen - IS bekennt sich

Barcelona (APA/dpa/Reuters/AFP) - Bei einem islamistischen Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind auf Barcelonas berühmter Flaniermeile L...

Barcelona (APA/dpa/Reuters/AFP) - Bei einem islamistischen Terroranschlag mit einem Lieferwagen sind auf Barcelonas berühmter Flaniermeile La Rambla mindestens zwölf Menschen getötet worden. Etwa 80 weitere Menschen wurden am Donnerstag nach Angaben der katalanischen Regionalregierung verletzt, nachdem ein Lieferwagen mit hohem Tempo in eine Menschenmenge gerast war.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag laut ihrem Sprachrohr Amaq für sich.

Zwei Verdächtige wurden noch am Abend von der spanischen Polizei verhaftet. Laut dem katalanischen Fernsehsender TV3 ist ein Verdächtiger tot - dies wurde zunächst nicht bestätigt.

Ein Fahrer überfuhr zwei Polizisten bei einem Checkpoint in Barcelona, teilte die katalanische Polizei am Donnerstag auf Twitter mit. Über die Schwere der Verletzung der Polizisten war vorerst nichts bekannt, meldete der Sender CNN. Es war auch nicht klar, ob der Vorfall an dem Checkpoint in Zusammenhang mit dem Anschlag auf der Rambla stand. Ebenso ist nicht bekannt, wie viele Personen in den Terrorakt involviert waren.

Es war der fünfte Anschlag mit einem Fahrzeug in einer europäischen Metropole seit Mitte 2016.

Über die genaue Zahl der Opfer herrschte zunächst Unklarheit. Der Innenminister der Regionalregierung, Joaquim Forn, sprach von mindestens 13 Toten, der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont von mindestens zwölf Opfern.

Ob sich auch Österreicher unter den Opfern befinden, war vorerst nicht bekannt. Dem ZDF-“Heute-Journal“ zufolge sind unter den Toten drei Deutsche. Nach offiziellen Angaben aus Brüssel ist eine Belgierin unter den Toten.

„Die Demokratie wird den Terrorismus und die Barbarei überall dort besiegen, wo diese stattfinden“, sagte Puigdemont. „Katalonien ist immer ein Land des Friedens und der Aufnahme gewesen, und wir werden uns nicht kleinkriegen lassen“, ergänzte er.

Nach Angaben des IS-Sprachrohrs Amaq waren mehrere Täter an dem Anschlag beteiligt. Sie seien „Soldaten des Islamischen Staates“, meldete Amaq unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen. Sie hätten mit der Operation auf Aufrufe reagiert, die Staaten der „internationalen Koalition“ anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle von Amaq im Internet verbreitet.

Der Erklärung von Amaq waren Lobpreisungen von IS-Anhängern in sozialen Netzwerken vorausgegangen, wie die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete. Dies sei möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die Gruppe vorab von dem Anschlagsplan gewusst habe.

Bei einem der Festgenommenen handelt es sich nach Medienberichten um einen Mann, der in einer Stadt nördlich von Barcelona gemeldet ist. Er komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten die katalanische Zeitung „La Vanguardia“ und das staatliche Fernsehen TVE unter Berufung auf Polizeikreise. Es werde nach zwei weiteren Verdächtigen gefahndet. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Einer der Festgenommenen wurde von der Polizei als der marokkanischstämmige Driss Oukabir (28) identifiziert. Es meldete sich aber kurz danach ein Mann bei den Behörden, ihm seien seine Dokumente mit diesem Namen gestohlen worden. Mit dem Anschlag habe er nichts zu tun, berichtete die Zeitung „El Pais“.

Fotos aus Barcelona zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, das Fahrzeug sei mit hohem Tempo auf die Promenade im Zentrum der Stadt gefahren. Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, „um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen“. Berichten zufolge liefen Menschen panisch über die Straßen.

Viele Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen wie Geschäften in Sicherheit gebracht, berichteten Augenzeugen. Ein deutscher Tourist sagte, es sei wie in einer „Kriegszone“ gewesen. „Polizisten mit Maschinengewehren und Gewehren im Anschlag kamen in der Straße auf mich zu gerannt.“ Der Verkehr im Zentrum der Stadt sei zusammengebrochen. Die Geschäfte auf der Flaniermeile hätten geschlossen und ihre Fensterläden heruntergelassen.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Der Fahrer des Lieferwagens soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe gewesen sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung „El Periodico de Catalunya“ berichtete. Ob es sich bei einem der von der Polizei festgenommenen Männern um den Fahrer des Lieferwagens gehandelt habe, blieb zunächst offen.

Der französische Dschihadismus-Experte Pierre Conesa wies auf Barcelonas besondere Rolle in der Salafistenszene hin. „Barcelona ist eine Stadt, in der es in der Tat seit langem eine sehr starke salafistische Präsenz gibt“, sagte er bei Franceinfo. Barcelona gehöre zu jenen Orten, wo sich Netzwerke organisieren könnten oder wo unter Umständen Anschläge geschehen könnten.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot auf der berühmten Flaniermeile vor Ort und forderte die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Die betroffene Gegend wurde weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.


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