Debüt von 5K HD: „Es ist gut, die Leute ein bisschen zu verwirren“

Wien/Saalfelden (APA) - Manche Kombinationen liegen auf der Hand: Hört man das Debütalbum „And To In A“ der heimischen Band 5K HD, fühlt es ...

Wien/Saalfelden (APA) - Manche Kombinationen liegen auf der Hand: Hört man das Debütalbum „And To In A“ der heimischen Band 5K HD, fühlt es sich an, als ob die Puzzlesteine wie von selbst an den richtigen Platz fallen. Hinter dem Namen verbergen sich Singer-Songwriterin Mira Lu Kovacs von Schmieds Puls sowie die vielgestaltige Combo Kompost 3. Gemeinsam hat man etwas gebastelt, das sich „sehr natürlich anfühlt“.

So beschrieb Schlagzeuger Lukas König im APA-Interview die Entstehung der zehn Songs. Seit gut eineinhalb Jahren ist man zusammen unterwegs, im Vorjahr erschien eine EP, außerdem standen einzelne Konzerte an. „Es ist eigentlich ziemlich schnell gegangen, das waren bald Riesenschritte“, so König. „Von der Zusammenarbeit her hat es super funktioniert, weil der Kompositions- und Probenprozess ziemlich angenehm war. Jeder gibt etwas dazu. Es ist einfach ein Kollektiv, bei dem alle fünf Teile mitgestalten, was sehr wichtig ist.“

Ähnlich formulierte es seine Kollegin, sei durch die erste gemeinsame Nummer doch „etwas entfacht worden“. Dass es trotzdem ein bisschen gedauert hat bis zum Debüt, lag nicht zuletzt an den unzähligen Projekten der Beteiligten - neben Kovacs und König setzt sich die Formation noch aus Martin Eberle, Benny Omerzell und Manu Mayr zusammen. „Aber eigentlich hat es sich stetig entwickelt“, unterstrich die Sängerin. Und es verwundert wenig, nun ein Album wie aus einem Guss vorgesetzt zu bekommen: Sowohl Schmieds Puls als auch Kompost 3 sind in ihrer Grundausrichtung gleichermaßen experimentierfreudig wie eingängig, zeitgemäße Musik mit Ecken und Kanten eben.

Als 5K HD kann man diesem Ausdruck weitere Facetten hinzufügen. Pop, Jazz und Folk sind in diesem Kontext ebenso zu nennen wie intime Momente und große Gesten. Eine Bandbreite, die sich als logische Konsequenz ergibt. „Von der Komposition her war uns wichtig, dass wir uns so viele Ideen und Klanglandschaften wie möglich zusammenreimen können“, betonte König. „Außerdem haben wir alle den Zugang, dass uns selbst nicht fad werden soll“, warf Kovacs ein. „Mit fünf verschiedenen Köpfen macht man dementsprechend viele Klangwelten auf.“

Das kann nur unterschrieben werden: Vom melancholischen „Mute“ über das an Radiohead gemahnende „Trouble Boy“ bis zum mit überraschenden Brüchen ausgestatteten Stück „Not A Love Song“ geht es die emotionale wie musikalische Klaviatur rauf und runter, wechseln sich laute und leise Sequenzen ab und wird man als Hörer auf eine atemberaubende Reise geschickt. Stile wechseln sich nach Belieben ab, der Verortung in Schubladen entzieht sich 5K HD hingegen konsequent. „Mit dieser Frage beschäftige ich mich schon lange“, schmunzelte Kovacs. „Wieso ist alles, was ich mache, nicht zu beurteilen?“ Für König hat die Platte jedenfalls den Charakter „einer Playlist mit Musik, die wir selber schätzen. Und das sind dann eben verschiedene Genres. Es ist gut, die Leute ein bisschen zu verwirren und vor den Kopf zu stoßen.“

Folglich hat man nicht nur am Wiener Popfest Platz, wo man Ende Juli aufspielte, sondern stellt das Material nun auch beim Jazzfestival Saalfelden (26. August) vor. „Mehr kann man sich eh nicht erträumen“, resümierte der Schlagzeuger. Live wolle man den Spielraum, den die Songs eröffnen, weiter ausschöpfen. „Die Improvisation war auch wichtig für die Entstehung des Albums, weil wir bei Teilen einfach ausprobieren konnten, welche Stimmung gerade passt. Das ist eine super Möglichkeit, es auch offener zu machen.“ Wobei für die Platte festgehalten werden muss, dass sie ein stimmiges Ganzes ergibt. „Die verschiedenen Ideen sind zu Songs gewachsen, und daraus ist einfach eine Geschichte geworden“, so Kovacs.

Textlich serviert die Sängerin Dystopisches. Das sei aber nicht zwingend als gewollter roter Faden zu verstehen, ergebe sich ein solcher doch eher durch eine zeitliche Nähe. „Bis auf ‚Trouble Boy‘ und ‚Patience‘ sind die Lyrics sehr nah beieinander entstanden. Auch wenn es nicht immer um den Weltuntergang geht, zieht sich bei meinen Texten ein rechter düsterer Zugang durch.“ Dieser hat ebenso gesellschaftspolitische Komponenten wie abstrakte Ausprägungen. Die liegt etwa dem Titelsong zugrunde, der sich auf ein Gedicht basierend auf einem Zitat von John Cage bezieht. Wie beeinflusst Grammatik die Sprache, was ist Poesie? So entstanden aus einem Satz zig Variationen mit verschiedenen Bedeutungen und wurde er letztlich in seine Bestandteile zerlegt. „Das ist wie ein Spiel, bei dem man etwas entfernt, das Konstrukt aber trotzdem stehen bleibt“, sagte Kovacs.

Dass „dieses Kryptische“ zur Band passt, wie die Musikerin bemerkte, zeigt sich auch am Namen selbst. „Wir haben nach einem Wort gesucht, das nach uns klingt. Und dann gab es die Idee mit 5K HD - wie eine Produktbezeichnung, die Seriennummer vom neuesten heißen Scheiß. Ich dachte mir: Das ist ein Statement in dieser Industrie, die immer schnelllebiger wird. Das hat mir gefallen.“ Und König ergänzte: „Es klingt auch ein bisschen futuristisch.“ Vielleicht auch: Fünf Köpfe machen Musik in High Definition, scheint diese Auslegung doch mehr als zulässig. Immerhin ist „And To In A“ eine der bisher spannendsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres.

Bleibt noch die abschließende Bemerkung, dass 5K HD nichts ablösen. Das gemeinsame Unterfangen bedeute nämlich keineswegs ein Ende für Kompost 3, Schmieds Puls oder andere Projekte, wie Kovacs und König lachend untermauern. „Einige haben uns das schon gefragt, das wollen wir hiermit klarstellen“, so der Schlagzeuger, „nichts ist eliminiert worden!“ Kovacs lieferte eine andere, ganz simple Erklärung: „Wir sind einfach Workaholics und machen mehr, nicht weniger.“ Und so geht man im Herbst auf ausgedehnte Tour, die am 6. Oktober im Wiener WUK beginnt.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Weitere Details zum Album sowie der Herbsttour unter www.5khd-music.com; www.jazzsaalfelden.com)


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