Versicherungen warnen: Prämien nicht leistbar

Wegen zunehmender Naturereignisse durch den Klimawandel rechnen Versicherungen mit höheren Summen zur Schadensbereinigung. Gewisse Risiken werden nicht mehr abgedeckt werden können.

Der Schaden durch eine Mure, die 2015 durch See im Paznauntal rollte, war enorm. Auch Sellrain war massiv betroffen.
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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck –Stimmen die Prophezeiungen – und davon gehen die zuständigen Experten aus –, werden Unwetterkatastrophen in Tirol zunehmen. Häufiger werdende Extremniederschläge und wärmere Temperaturen führen zu einer Verschärfung der Situation durch sich summierende Überschwemmungen und Muren, sagt Eric Veulliet, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums alpS. Durch den Rückgang des Permafrosts können zudem auch höher liegende Bereiche abrutschen, Muren also mit viel mehr Material und Kraft ins Tal rollen als bisher.

Auch Versicherungen sehen sich zunehmend mit intensiver werdenden Naturkatastrophen konfrontiert. Christoph Kapfinger, Leiter der Abteilung Versicherungstechnik und Services bei der Uniqa Tirol, spricht von einer Herausforderung für alle österreichischen Versicherer. Auch wenn die Daten zu Schäden aus Extremwettereignissen nicht lange genug zurückreichten, um einen direkten Zusammenhang festzustellen: Laut internen Schätzungen rechnet die Uniqa mit einer langfristigen Zunahme durch Unwetterschäden aufgrund des Klimawandels.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre ließen jedenfalls darauf schließen, besonders die Menge der Niederschläge pro Quadratmeter habe auffallend zugenommen. Kapfinger verweist auf andere Länder wie etwa Italien, in denen gewisse Bereiche gar nicht mehr versichert würden – ein mögliches Zukunftsszenario auch für Österreich. Für Wohnungen oder Eigenhäuser neben einem Bach, der schon mehrmals übergegangen ist, würden sich Bewohner die Prämien gar nicht mehr leisten können, in so einem Fall brauche es auch Präventionsmaßnahmen etwa durch Rücksperren.

„Die Standardversicherung für Eigenheime deckt Schäden durch Hagel, Steinschlag, Felssturz, Erdrutsch und Starkwinde“, sagt Walte­r Schiefere­r, Vorstandsvorsitzender der Tiroler Versicherung. Bei Überschwemmungen, Vermurungen, Hochwasser und Lawinen – häufig großflächige Vorfälle – sehe die Situation anders aus. „Das sind Risiken, die für Versicherer nicht kalkulierbar sind.“

Auch er spricht von einer zunehmenden Frequen­z und Intensität von Wetter­ereignissen: „Für uns ist sonnenklar, dass wir gewisse Risiken, die durch den Klimawandel entstehen, als Privatversicherer nicht werden abdecken können.“

Deshalb sollte nun endlich eine seit Jahren immer wieder vorgebrachte Forderung des österreichischen Versicherungsverbands umgesetzt werden – eine Pflichtversicherung in geringer Höhe für alle, unter Einbeziehung des Staates. „Nur dann ist ein leistbarer Schutz für alle möglich!“ Derzeit müssten Geschädigte wie Bittsteller um Beiträge ansuchen. „Aber solange es Bundespolitiker gibt, die nach jedem Unwetter mit Gummistiefeln im Wasser stehen, wie Weihnachtsmänner Geschenke in Form von Mitteln aus dem Katastrophenfonds verteilen und damit auf die Titelseiten kommen, wird sich nichts ändern“, kritisiert Schieferer scharf. „Oder muss erst halb Wien unter Wasser stehen, damit etwas passiert?“

Auch Kapfinger von der Uniqa sieht die sich in diesem Jahr häufenden Vorfälle als aktuellen Anlass, die Pflichtversicherung für alle – eine Art Solidaritätspool auf Basis einer gesetzlichen Grundlage – in Wien wieder ins Gespräch zu bringen. Modelle, wie es sie in der Schweiz oder in Frankreich gebe, seien „in Zeiten wie diesen“ einfach notwendig.

Sollte keine gesetzliche Regelung zustande kommen, werden die Rückversicherungen wohl restriktiver werden. „Dadurch geraten auch wir unter Druck, restriktiver vorgehen zu müssen.“


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