Nicht desinfiziert: Unterländer Krankenhaus verurteilt

Innsbruck – Eine offene Knieverletzung hatte eine Unterländerin in die Unfallambulanz eines Tiroler Bezirkskrankenhauses geführt. Bei den Sc...

Innsbruck –Eine offene Knieverletzung hatte eine Unterländerin in die Unfallambulanz eines Tiroler Bezirkskrankenhauses geführt. Bei den Schmerzen am Bein sollte es jedoch nicht bleiben. War die Frau doch als Allererstes von einer Krankenschwester mit einer Tetanusimpfung bedacht worden – ohne Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen, Einverständnis und laut nunmehrigem rechtskräftigen Gerichtsurteil: ohne Desinfektion.

Schon drei Tage später hatte sich die Frau mit geschwollenem Oberarm wieder in der Spitals­ambulanz eingefunden. Die Schmerzen waren so groß, dass sie noch vor Kontrolle den Warteraum verlassen musste. Ein Privatarzt diagnostizierte einen Spritzenabszess, der eine Operation erforderte. Insgesamt 3346 Euro an Kosten waren aufgelaufen, für die das Spital jede Verursachung verneinte. Eine Impfreaktion wurde behauptet. So wandte sich die Patientin an Rechtsanwalt Hermann Holzmann. Dieser reichte gegen das Spital Klage auf Schadenersatz ein. Bezirksgericht und – nach Berufung – nun das Landesgericht gaben der Patientin schließlich rechtskräftig Recht. Krankenhäuser müssen in Fällen eines vermuteten Kunstfehlers beweisen, dass der behauptete Sorgfaltsverstoß mit größter Wahrscheinlichkeit den Schaden nicht verursacht hat. Dies ist über zwei Instanze­n nicht gelungen.

„Die Zeugenaussagen der Krankenschwester erzeugten bei Gericht Zweifel an einer Lege-artis-Behandlung“, so Anwalt Holzmann. Auch im Urteil des Landesgerichtes ist zu lesen, dass die Schwester angegeben hatte, dass „in der Regel“ desinfiziert werde. Dazu hatte sie offenbar den Arm – und die Patientin verwechselt. Martin Mühlegger, Richter des Landesgerichts: „Nach den Feststellungen ist ein Kunstfehler als Schadensursache wahrscheinlicher als eine seltene Reaktion auf einen Impfstoff. Dem Krankenhaus ist der Beweis für eine Haftungsbefreiung nicht gelungen.“ (fell)

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