Kolonistensiedlung in Pozuzo: Deutsch bleibt große Aufgabe

Erfolg für den Tiroler Pozuzo-Freundeskreis: Drei Botschafter sagten Unterstützung für das Deutschprojekt in der Kolonistensiedlung zu.

Die Reisegruppe mit Freundeskreis-Obmann Rudi Heinz (r.) traf in Pozuzo-Zentrum ein.
© PozuzoFreundeskreis

Von Helmut Wenzel

Silz, Pozuzo –Es war die Reise im Gedenken an die Auswanderung vor 160 Jahren aus Tirol: Eine 18-köpfige Gruppe mit Pozuzo-Freundeskreis-Obmann Rudi Heinz aus Silz hat kürzlich die Kolonistensiedlung am Ostrand der Anden in Peru besucht. „Die Pozuziner, darunter viele Nachkommen der Tiroler Auswanderer von 1857, haben uns abermals eine überwältigende Gastfreundschaft erwiesen“, resümiert der Obmann.

Ein hochkarätig besetztes Arbeitsgespräch in der Hauptstadt Lima sollte dem Freundeskreis hilfreich sein. Mit dabei waren Österreichs Peru-­Botschafter Andrea­s Rendl, der deutsche Botschafter Jörg Ranau, EU-Botschafterin Irene Horejs sowie lokale Autoritäten aus Pozuzo. „Wir haben unser Deutschprojekt vorgestellt, das der Verein seit 21 Jahren betreibt. Es ist auf groß­e Anerkennung bei den Botschaftern gestoßen“, schilderte der Obmann. Dennoch habe man selbstkritisch festgestellt: Zwei Stunden Deutschunterricht in der Woche sind zu wenig. „So können die Schüler die Sprache der Tiroler Vorfahren nicht nachhaltig lernen.“ Interessierte Schüler sollen sich künftig in kleinen Gruppen mit der deutschen Sprache außerhalb des Unterrichts befassen. „Hier haben uns die Botschafter finanzielle Hilfe zugesagt“, freut sich der Obmann. Zudem sollen junge Pozuziner verstärkt in den Genuss von Tirol-Reisen kommen. Bewährt habe sich hier das vor vier Jahren initiierte Saisonnier-Projekt. Junge Leute aus der Kolonistensiedlung, die Deutsch gut beherrschen, können nach Schulabschluss in Tiroler Tourismusbetrieben arbeiten. „Damit sind vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten verbunden, die von den Saisonniers bisher gerne genutzt wurden“, weiß Rudi Heinz.

Auf der Suche nach Spuren von seinem Urgroßonkel Franz Schafferer aus dem Gschnitztal war der Arzt Artur Prem aus See im Paznaun. Schafferer war von 1895 bis 1936 Kolonistenpfarrer, Lehrer, Tischler und Schmied in Pozuzo. „Er wird bei den Einheimischen heute noch verehrt, sein Einsatz und seine Leistungen werden auch im Schafferer-Museum gewürdigt“, schilderte Prem. Der Pozuzo-Freundeskreis will im Heimatdorf von Schafferer, in Gschnitz, kommenden Herbst ein Denkmal errichten.

Beim Besuch der Krankenstation San Camillo hat Prem freilich Verbesserungsmöglichkeiten gesehen. „Aber ich will ja nicht der Oberlehrer sein“, bemerkte er. „Vielleicht kann ich helfen, wenn wir Krankenschwestern eine Schulung zur Wundbehandlung anbieten.“


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