Neustifter Freizeitzentrum schwimmt finanziell davon

Rechnungshof rügt „versteckte Schulden“ in Neustift und ortet akuten Handlungsbedarf beim Freizeitzentrum. Abgang dürfte heuer 500.000 Euro betragen.

© Daum

Von Peter Nindler

Innsbruck –An sich fällt der Bericht des Landesrechnungshofs über die 4716 Einwohner zählende Gemeinde Neustift im Stubaital nicht schlecht aus. Verwaltung und Finanzgebarung wird ein gutes Zeugnis ausgestellt. Das ordentliche Budget beträgt heuer rund 12,5 Millionen Euro. Aber wie schon bei den vorausgegangenen Gemeindeprüfungen weist der Landesrechnungshof (LRH) auch in Neustift auf die „verdeckten Schulden“ hin. Gleichzeitig ist das 1979 in Betrieb genommene und bereits in die Jahre gekommene Freizeitzentrum ein ständiger Zuschussbetrieb. Angesichts der immer höher werdenden Verluste empfiehlt der LRH eine „rasche strategische Neuausrichtung“.

Zu den Zahlungsverpflichtungen: Bis 2015 hatte Neustift Darlehen von rund 10 Mio. Euro aufgenommen – durch den Bau des Schulcampus erhöhen sich diese massiv. Die Rückzahlungen im Jahr 2015 betrugen knapp 800.000 Euro. Doch insgesamt beziffert der LRH das gesamte Finanzierungsvolumen mit 20,6 Mio. Euro. Denn auf Basis von 2015 müssen noch Leasingverpflichtungen von 194.000 Euro, Haftungen als Bürge und Zahler von 5,3 Mio. Euro, die Finanzierungskosten für das Vinzenzheim vom 4,5 Mio. Euro oder die Miete für den Sportplatz von 600.000 Euro hinzugerechnet werden. Die jährliche Aufwendungen machen dann schon 1,2 Mio. Euro aus. „Diese ,Fixkosten‘ schmälern den finanziellen Handlungsspielraum der Gemeinde Neustift im Stubaital beträchtlich und beeinflussen deren Finanzgebarung nachhaltig“, heißt es im Prüfbericht. Einmal mehr wird auf den hohen Anteil an „sonstigen, teils ausgelagerten Finanzierungsverpflichtungen“ hingewiesen.

Das Sorgenkind bleibt jedoch das Freizeitzentrum, das je zur Hälfte dem Tourismusverband und der Gemeinde gehört. Die Besucherzahlen im Schwimmbad gingen – auch bedingt durch das Erlebnisschwimmbad Stubay in Fulp­mes – von 48.838 auf 36.388 zurück. Im selben Zeitraum 2013 bis 2015 erhöhte sich der Jahresverlust um 120.000 Euro von 342.173 auf 461.163 Euro. Die beiden Gesellschafter mussten deshalb jeweils 230.581 Euro zuschießen. Diese negative Entwicklung setzt sich fort, für heuer ist eine Abgangsdeckung von knapp 500.000 Euro vorgesehen. Der Ausgabendeckungsgrad durch Betriebserlöse beträgt nur noch ein Drittel, die Umsätze brachen um 25 Prozent ein.

Wie geht es jetzt weiter? Ein Weiterbetrieb ohne Generalsanierung bzw. Neubau dürfte laut internen Analysen nur noch bis 2018/2019 möglich sein. Schlussfolgerung des Landesrechnungshofs: „Unter Hinweis auf den hohen und zuletzt steigenden Zuschussbedarf und den baulichen Zustand des rd. 40 Jahre alten Gebäudes empfiehlt der LRH, möglichst rasch eine strategische Entscheidung über die Neuausrichtung des Freizeitzentrums zu treffen.“

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

Laut Stellungnahme der Gemeinde Neustift soll spätestens zu Beginn des nächsten Jahres eine Entscheidung über die Zukunft des Freizeitzen­trums getroffen werden.


Kommentieren


Schlagworte