Hof-Umbau verwehrt, Ruf nach neuen Regeln

Bauer will Hof in Wohnungen für die Kinder umbauen, stößt aber an die Grenzen der Raumordnung. Kammer fordert leichtere Höfe-Nachnutzung.

© Hölzl

Von Max Strozzi

Ellbögen –Für viele Bauern wird es zunehmend schwieriger, Nachfolger für ihren Hof finden. Gleichzeitig ist es politischer Wille, aufgelassene Bauernhöfe nicht verfallen zu lassen, sondern nachzunutzen. Innerhalb dieses Spagats sorgen zudem finanziell betuchte Privatiers für Konfliktstoff, wenn sie durch rechtlich gedeckte Winkelzüge an begehrte Bauernhöfe gelangen.

Mittendrin stehen Landwirte wie beispielsweise die Familie Hölzl aus Ellbögen. Ihr Pfitscherhof, so erzählt das Paar, sei mangels Wirtschaftlichkeit vor neun Jahren aufgelassen worden. Auch keine der drei Töchter sah sich imstande, den Hof weiterzubetreiben. Nach einem Käufer wurde ebenfalls gesucht, allerdings vergeblich. So sei letztlich das Vorhaben entstanden, die bestehenden Gebäude – Haupthaus und Tenne – in mehrere Wohnungen umzubauen, und zwar ausschließlich für den Eigengebrauch. Die Pläne standen: Wohnungen für die drei Töchter, eine für das Paar selbst und eine für die Mutter bzw. Schwiegermutter.

Für ein Vorhaben dieser Größenordnung wäre eine Umwidmung – etwa in landwirtschaftliches Mischgebiet – nötig gewesen. Das wurde der Familie verwehrt. „Die Umwidmung war wegen mehrfachem Widerspruch zu den im Tiroler Raumordnungsgesetz geregelten Kriterien für die Ausweisung von Bauland nicht möglich“, erklärt das zuständige Büro von LR Johannes Tratter. „Es wurde die Familie und auch die Gemeinde aber ausführlich über alle im Gesetz vorgesehenen Möglichkeiten zur Umnutzung und zum Ausbau der Hofstelle informiert.“ Ohne Umwidmung könne laut Raumordnungsgesetz im Freiland lediglich das Haupthaus auf eine Wohnnutzfläche von 300 Quadratmeter umgebaut werden – aus Sicht der Betroffenen zu wenig Platz für insgesamt fünf Familien. Auch die Lage des Hofs erschwere eine Umwidmung, denn der Hof liegt weit abseits des bewohnten Gebiets. „Wir möchten für unsere Kinder und uns endlich eine gute Lösung finden, damit der Hof nicht weit unter Wert verscherbelt werden muss, sondern jedes unserer Kinder eine Wohnung ausschließlich für den Eigengebrauch erhält“, betont Hölzl. „Warum muss in unserem Fall ein Bauernhof, der nicht mehr lebensfähig ist, ein Bauernhof bleiben und warum darf ein bebautes Grundstück nicht abgeändert werden? Wir wissen keinen Rat mehr.“ Das Paar kritisiert auch, dass es etwa im Fall Unterhirzingerhof in Kitzbühel der Promi-Familie Grasser möglich wurde, im aufgelassenen Hof zu wohnen und ihn zu kaufen. Sie selbst aber dürften nicht genug Wohnungen für ihre Kinder errichten.

Die Tiroler Landwirtschaftskammer kennt solche Fälle. „Das ist leider kein Einzelfall, das Grundproblem ist uns bekannt. Eine Nachnutzung des Hofs wäre sinnvoll, aber das Raumordnungsrecht spricht in diesem Fall wohl dagegen“, erklärt Kammerdirektor Ferdinand Grüner. Er fordert, die Nachnutzung von Höfen zur Wohnraumbeschaffung zu erleichtern. „Diese Forderung schätze ich aber so ein, dass wir kein Gehör finden bzw. wieder einmal als Privilegienritter abgestempelt werden“, so Grüner.


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