Junge Waldrapp-Kolonie macht Flugpause in Ried

Der in Mitteleuropa ausgestorbene Waldrapp soll wieder angesiedelt werden. Der Verein Waldrappteam begleitet eine Kolonie in die Toskana.

© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Ried im Oberinntal –„Noch bis Sonntag sind wir Gastgeber für seltene Vögel“, freut sich der Rieder Bürgermeister Elmar Handle. Gerne habe er dem Verein Waldrappteam den Platz für einen Zwischenstopp organisiert. Es ist eine Wiese südlich des Dorfes, wo das Team mit Koordinator Johannes Fritz, ein Biologe, seine Zelte aufgeschlagen hat. In einem Riesenkäfig bewegen sich 31 Jungtiere, alle viereinhalb Monate alt.

Die Waldrapp-Ziehmütter Corinna (l.) und Anne Gabriela bringen den mit Fleisch gefüllten Futtertrog in das umzäunte Gehege.
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„Wir kommen vom Brutgebiet in Überlingen am Bodensee. Unser Ziel ist das Winterquartier bei Orbitello in der südlichen Toskana. Dort werden sie ausgewildert und leben dann eigenständig“, schilderte der Koordinator. „Dennoch soll das soziale Band erhalten bleiben.“

Pilot Walter Holzmüller hatte die sensiblen Tiere diese Woche mit einem Ultraleichtflugzeug über den Arlberg nach Ried eskortiert. Das gelungene Manöver ist auch den beiden Waldrapp-Ziehmüttern Corinna und Anne Gabriela zu verdanken. Sie hegen und pflegen die Kolonie, füttern die Vögel mit Frischfleisch und kommunizieren mit ihnen. „Auch Streicheln ist wichtig, um den Sozialkontakt zu fördern“, weiß Corinna. Fremde Leute dürfen allerdings nicht in den Käfig. Das würde zu viel Stress für die Tiere bedeuten.

Das Waldrappteam arbeitet im Rahmen eines mehrjährigen EU-geförderten Projekts (LIFE+Biodiversity) mit Partnern in Österreich, Italien und Deutschland, wie Johannes Fritz erläuterte. „Es ist ein Artenschutzprojekt. Die EU fördert die Wiederansiedlung des Waldrapps. Bis 2019 soll er wieder ein heimischer Zugvogel werden.“ Das Projekt ist, so der Koordinator, der erste wissenschaftlich fundierte Versuch, eine ausgerottete Zugvogelart wieder anzusiedeln. Das Überleben des Waldrapps soll in seiner arttypischen Lebensform gesichert werden.

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Das größte Problem sieht das Projektteam im illegalen Abschuss in Italien. „Daher sind auch Maßnahmen gegen den Abschuss ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, hob Fritz hervor. „Leider gibt es in Italien nach wie vor Hotspots der Vogeljäger.“

Er weiß auch, warum der Waldrapp im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa völlig verschwunden ist: „Das Tier ist wegen seines zarten Fleisches gejagt worden. Vor allem beim Klerus und Adel landete der Speisevogel auf dem Teller.“ Der „normalen“ Bevölkerung sei die Jagd damals verboten gewesen.

Nach dem dritten Winter in der Toskana soll die Kolonie wieder ins Brutgebiet am Bodensee zurückkehren. Keinesfalls überleben alle Tiere das Abenteuer. Nach den ersten 24 Monaten im Winterquartier soll sich der Bestand um etwa 30 Prozent reduzieren. Weitere Infos: www.waldrapp.eu

Pilot Walter Holzmüller begleitet die Vögel im Ultraleichtflugzeug.
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