Bundeswehrsoldaten vor tödlichem Kollaps auf Zusatzmarsch geschickt

Berlin (APA/dpa) - Ein im Juli nach einem Marsch gestorbener Rekrut der deutschen Bundeswehr ist unmittelbar vor seinem Kollaps mit mehreren...

Berlin (APA/dpa) - Ein im Juli nach einem Marsch gestorbener Rekrut der deutschen Bundeswehr ist unmittelbar vor seinem Kollaps mit mehreren seiner Kameraden auf einen Zusatzmarsch geschickt worden. Das geht aus einem Zwischenbericht des Verteidigungsministeriums hervor, das die Vorfälle im niedersächsischen Munster untersucht.

„Dieser Hin- und Rückmarsch (...) vom Ausbildungsort in die Kaserne und zurück war im Dienstplan nicht vorgesehen“, heißt es. Mehr als 25 Soldaten hätten dabei „eine Strecke von insgesamt ca. sechseinhalb Kilometern, streckenweise im Laufschritt“ absolvieren müssen. Bei einer Übung im Gelände am 19. Juli waren mehrere Offiziersanwärter kollabiert, für einen endete das tödlich. Nach ersten Untersuchungen hatten die Soldaten einen Hitzschlag erlitten. Eine Erklärung dafür angesichts der nicht außergewöhnlich hohen Temperaturen von knapp 28 Grad gibt es aber weiterhin nicht.

Grund für den zusätzlichen Marsch, den die Soldaten vor der eigentlichen Übung absolvieren mussten, war dem Papier zufolge, dass fehlende Ausrüstungsgegenstände aus der Kaserne geholt wurden. Einige Offiziersanwärter mussten außerdem bei sommerlichem Wetter Liegestütze machen.

Der später gestorbene Soldat brach dem Bericht zufolge bereits beim Zusatzmarsch auf dem Hinweg zur Kaserne kurz vor dem Ziel zusammen. Er starb später im Krankenhaus an multiplem Organversagen, wie laut Staatsanwaltschaft aus dem Obduktionsbericht hervorgeht.

Wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg sagte, sei das Multiorganversagen des Mannes im Zusammenhang mit einer Sepsis gestanden, auch Blutvergiftung genannt. Dabei gerät eine Entzündung außer Kontrolle und die körpereigene Abwehr schädigt das eigene Gewebe. „Wie es dazu kommen konnte, müssen weitere rechtsmedizinische Folgeuntersuchungen zeigen“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Ein weiterer Offiziersanwärter liegt laut Zwischenbericht noch immer im Krankenhaus und ist weiter in kritischem Zustand. Zwei weitere Soldaten machen derzeit eine Reha. Insgesamt klagten demnach elf Rekruten im Zusammenhang mit den Märschen über Beschwerden, darunter auch leichtere Verletzungen.


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