NR-Wahl: Nichtwähler-Partei holte 1956 nur sieben Stimmen

Wien (APA) - Die Stimmen der Nicht- und Ungültig-Wähler will der Kabarettist Roland Düringer mit seiner Liste G!LT sichtbar machen. Er ist n...

Wien (APA) - Die Stimmen der Nicht- und Ungültig-Wähler will der Kabarettist Roland Düringer mit seiner Liste G!LT sichtbar machen. Er ist nicht der erste, der sich ihrer annimmt: 1956 kandidierte die „Parlamentarische Vertretung der Wahlverhinderten, Nichtwähler und ungültigen Stimmen in Österreich“ - mit sehr mäßigem Erfolg. Quasi programmgemäß fand diese Liste nur sieben Wähler, das waren 0,00016 Prozent.

Das ist allerdings noch gar nicht das schlechteste aller Wahlergebnisse. 1949 bekamen die Wirtschaftspartei der Haus- und Grundbesitzer nur drei Stimmen und die Demokratische Partei Österreichs nur fünf. Das wird selbst in der Wahlbroschüre des Innenministeriums als „Kuriosum“ bezeichnet - musste der Wahlvorschlag damals doch von 100 Wahlberechtigten unterstützt sein. Die größte Zahl der Unterstützer habe „nicht im Sinne ihres eigenen Wahlaufrufes gestimmt“, stellte das Ministerium trocken fest.

Trotz deutlich besserer Ergebnisse herrschte auch am anderen Ende der Liste keine große Freude. Am besten von den gescheiterten Kleinparteien schnitten nämlich zwei ab, die nach kurzem Aufenthalt wieder aus dem Nationalrat rausgewählt wurden. Das LIF verpasste 1999 die Vier-Prozent-Hürde relativ knapp, mit 3,65 Prozent. Das BZÖ musste 2013 mit 3,53 Prozent die Abgeordnetenbänke räumen.

Von den Parteien, die nie im Parlament waren, schnitt ein prominenter Einzelkämpfer am besten ab: Der vormalige Innenminister Franz Olah schaffte 1966 nach seinem Rausschmiss aus der SPÖ mit seiner „Demokratischen Fortschrittlichen Partei“ 3,28 Prozent - aber damit nicht den Einzug in das Parlament.

Das Potenzial für nicht-etablierte Parteien ist seit der Jahrtausendwende deutlich gewachsen: Für die Bewerber, die es nicht ins Parlament schafften, gab es in den 21 Wahlen der Zweiten Republik im Durchschnitt 2,53 Prozent. Bei den fünf Urnengängen von 1999 bis 2013 war dieser Wert deutlich höher, nämlich 4,60 Prozent. 2008 entfielen zusammen mehr als sechs Prozent, 2013 5,6 Prozent der gültigen Stimmen auf Parteien, die an der Vier-Prozent-Hürde scheiterten.


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