Mit Bauschuttcontainern und Beton-Löwen gegen die Terrorgefahr

Barcelona/Berlin (APA/AFP) - Der mit einem Lieferwagen verübte Terroranschlag von Barcelona befeuert erneut die Debatte über die Sicherheits...

Barcelona/Berlin (APA/AFP) - Der mit einem Lieferwagen verübte Terroranschlag von Barcelona befeuert erneut die Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen für Menschenansammlungen und belebte Straßen. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern setzen die Behörden unter anderem auf Betonblöcke, um derartige Attacken mit Fahrzeugen zu verhindern. Zum Einsatz kommen sie vor allem bei Großveranstaltungen.

DEUTSCHLAND:

Seit dem verheerenden Lkw-Anschlag von Nizza im Sommer 2016 mit 86 Toten werden auch in Deutschland mobile Durchbruchssperren bei Großveranstaltungen eingesetzt. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt vom Berliner Breitscheidplatz im Dezember vergangenen Jahres wurden die Sicherheitsmaßnahmen vielerorts noch einmal verschärft. Seither gibt es kaum ein Straßen- oder Stadtfest ohne sie.

Verwendet werden in der Regel Sperren in Form großer Betonblöcke, es werden aber auch andere Dinge eingesetzt. Bei der Travemünder Woche in Schleswig-Holstein etwa dienten auch Bauschuttcontainer und Lkw als Blockaden. Bei der Kieler Woche benutzte die Polizei auch je 1,8 Tonnen schwere große Baustellensäcke voller Sand und Kies. Oft werden während Festen bestimmte Innenstadtbereiche auch für größere Lkw gesperrt.

Dauerhaft mit Sperren abgesichert sind nur wenige Orte, etwa die Umgebung von Botschaften in Berlin. Auch sind Fußgängerzonen und Marktplätze teilweise mit absenkbaren Pollern versperrt, um das unbefugte Befahren etwa außerhalb von Lieferzeiten zu verhindern.

Nach dem Anschlag in Barcelona forderte Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bereits zusätzliche Sperren für Fußgängerzonen. Zugleich gab er aber zu bedenken, dass es praktisch unmöglich sei, Fahrzeugattacken überall zu verhindern.

FRANKREICH:

Nach dem Anschlag in Nizza gerieten die Behörden wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen gegen derartige Anschlagsszenarien stark unter Druck. Auch dort werden seitdem Großveranstaltungen mit Betonklötzen und Barrieren gesichert. An dem bei Spaziergängern beliebten Seine-Ufer in Paris blockieren Polizeiwagen inzwischen Zufahrten, die dort für Rettungsdiensteinsätze eingerichtet sind.

GROSSBRITANNIEN

Auch in London gab es schon tödliche Anschläge mit Fahrzeugen. Bei zwei Attacken im März und im Juni überfuhren Islamisten erst Passanten auf Themse-Brücken, bevor sie anschließend noch zu Messerattacken auf weitere Menschen übergingen. Seit der zweiten Attacke sind die Bürgersteige der Brücken mit Barrieren gesichert.

Besondere Sicherheitsvorkehrungen gegen Ramm-Attacken wurden zudem nach dem Berliner Weihnachtsmarktanschlag an den königlichen Palästen eingeführt. So werden die Straßen vor dem Buckingham-Palast während der bei Touristen beliebten Wachwechselzeremonie seitdem gesperrt. Vor dem Windsor-Palast wurden Betonsperren installiert.

SCHWEDEN

Auf Betonsperren in Löwengestalt setzt die schwedische Hauptstadt Stockholm, wo ein Mann mit Sympathien für die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im April mit einem Lastwagen durch eine Einkaufsstraße fuhr und fünf Menschen tötete. Die Behörden ließen danach zunächst einige Granitblöcke sowie die rund 900 Kilogramm schweren Beton-Löwen an Shoppingmeilen aufstellen. Sie sollen durch 40 neue Löwen mit einem Gewicht von drei Tonnen ergänzt werden.

SPANIEN

Zwar blieb Spanien nach dem verheerenden Bombenanschlägen 2004 auf Pendlerzüge in Madrid mit 191 Toten jahrelang von weiteren islamistischen Terrorattacken verschont, doch verschärften die Behörden auch dort im Zuge der angespannten Gesamtlage in Europa die Sicherheitsvorkehrungen bei großen Veranstaltungen.

So sperrten sie bei der weltgrößten Homosexuellendemo WorldPride im Juni im Madrid ganze Straßenzüge für den Verkehr und verboten Lkw die Durchfahrt. Zudem war ein massives Polizeiaufgebot im Einsatz, Beamte standen an jeder Kreuzung.

Die Flaniermeile La Rambla in Barcelona indes war nicht durch Barrieren gesichert: Der Attentäter vom Donnerstag konnte sie mit seinem Lieferwagen mehrere hundert Meter im Zickzackkurs ungehindert durchfahren.

ÖSTERREICH

Die österreichischen Sicherheitsbehörden gehen schon seit längerem von einer erhöhter Risikosituation aus. Derzeit könne niemand in Europa Ereignisse wie in Barcelona bzw. in Cambrils mit Gewissheit ausschließen. „In Österreich haben wir aktuell keine Hinweise auf eine konkrete Bedrohung. Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen sind bereits seit längerem in Kraft und bleiben aufrecht“, heißt es aus dem Innenministerium. In Wien etwa werden vor jeder einzelnen Veranstaltung die jeweilige Gefährdungslage geprüft und die Sicherheitsmaßnahmen darauf abgestimmt.


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