NR-Wahl: Landeslisten bringen jede Menge Personalwechsel

Wien (APA) - Seit Freitag stehen die Landes- und Regionalwahlkreislisten fest und damit auch, wer auf dieser Ebene realistische Chancen auf ...

Wien (APA) - Seit Freitag stehen die Landes- und Regionalwahlkreislisten fest und damit auch, wer auf dieser Ebene realistische Chancen auf den Einzug in den Nationalrat hat. Während FPÖ und NEOS im wesentlichen auf bewährte Kräfte vertrauen, dürfte es bei Rot, Schwarz und Grün etliche Änderungen geben. Noch nicht überall fixiert sind die Bundeslisten. Dafür ist aber noch bis 28. August Zeit.

Eigentlich wichtiger sind aber ohnehin Landes- und Regionalwahlkreise. Denn auf dieser Ebene werden die meisten Mandate vergeben, umso wichtiger ist also dort ein wählbarer Platz. Bei der Wahl 2013 wurden 69 der 183 Sitze im Nationalrat über die Landesliste verteilt und sogar 75 über die Wahlkreise.

In der SPÖ gibt es zwar gleich in acht Bundesländern neue Spitzenkandidaten und auch dahinter tut sich einiges, der Großteil der Abgänge erfolgt aber freiwillig. Das prominenteste Opfer der Listenerstellung ist Gerald Klug. Der frühere Minister war beim letzten Mal noch Nummer eins in der Steiermark, hat nun allenfalls theoretische Chancen auf ein Mandat. Ebenfalls außerhalb der chancenreichen Plätze findet sich der Tiroler Max Unterrainer.

Ansonsten sind jene, die ihr Mandat verlieren dürften, praktisch durch die Bank 2013 auf der Bundesliste angetreten. In Wien ist mit exakt den selben Abgeordneten wie bisher zu rechnen, in Nieder- und Oberösterreich sowie im Westen ist die Verjüngung des Teams durch freiwillige Polit-Pensionierungen schmerzarm ausgefallen. Allzu prominente Neueinsteiger finden sich auf den Listen freilich nicht sondern eher lokal bekannte Funktionäre, die nun einen Schritt nach vorne rücken. Die Ausnahme ist Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, die in Niederösterreich an der Spitze steht.

Noch mehr wird sich bei der ÖVP tun, auch wenn Parteichef Sebastian Kurz von seinen Durchgriffsmöglichkeiten auf regionaler Ebene nur sehr dosiert Gebrauch gemacht hat. Mit Kira Grünberg auf Platz eins in Tirol und Polizei-General Karl Mahrer an der selben Position in Wien haben nur zwei Neueinsteiger die Funktionärschaft hinter sich gelassen.

In einzelnen Bundesländern wie Vorarlberg und Salzburg blieb der bündische Parteiadel auf den aussichtsreichsten Positionen, gleiches gilt im wesentlichen für Niederösterreich. Auffällig ist, dass wohl unter Einwirkung von Kurz viele jüngere Kandidaten es zwar nicht ganz an die Spitze, aber doch auf wählbare Plätze schafften. Überraschendstes Personalopfer der Listenerstellung ist der Salzburger ÖAAB-Chef und Kurz-Vertraute Asdin El Habbassi. Klubchef Reinhold Lopatka hat zwar einen hinteren Platz auf der Landesliste in der Steiermark, sollte es aber über seinen Regionalwahlkreis schaffen - es sei denn, er würde dort überholt. Da die ÖVP intern Vorzugsstimmen höher gewichtet, haben diesmal auch Kandidaten auf hinteren Listenplätzen gute Chancen. Auf keiner Landesliste abgesichert wurden Justizminister Wolfgang Brandstetter und Wirtschaftsminister Harald Mahrer.

Wie meistens personell ziemlich stabil zeigt sich die FPÖ bei ihrer Listenerstellung. Einzig die frühere Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz scheiterte in Niederösterreich und schloss sich daraufhin der neuen Liste von Karl Schnell an. Ansonsten gibt es wenig neue Gesichter, vielmehr kommt ein alt-bekanntes neu hinzu. Der umstrittene ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf kandidiert in Wien an wählbarer Stelle. Ansonsten stechen noch Walter Rosenkranz und als Neuling Marlene Svazek hervor. Sie werden nämlich voraussichtlich nur für wenige Wochen den Nationalrat beehren, sollen sie doch die jeweilige Landespartei in die Landtagswahlen in Niederösterreich bzw. Salzburg führen.

Die Spaltung der Grünen wird es für diese ziemlich erschweren, auf Landesebene allzu viele Mandate zu lukrieren. Insofern bedeutet der dritte Listenplatz in Oberösterreich für Gabriela Moser vermutlich deren parlamentarisches Aus. Keinen wählbaren Listenplatz bei den Grünen schaffte ihr langjähriger Weggefährte Wolfgang Pirklhuber, ebenso wenig in Salzburg Birgit Schatz. Wolfgang Zinggl, der in Wien gescheitert war, geht nun für Peter Pilz ins Rennen. Würden die Grünen ihre Mandate halten, kämen jedenfalls etliche Neulinge zum Zug. Läuft es wie aus Umfragen zu erwarten schlechter als vor vier Jahren, dürfte das Team seitens der Länder-Listen dann doch recht bekannt sein.

Die NEOS schicken auf den Länderlisten im wesentlichen bekannte Gesichter ins Rennen. Statt des abgegangenen Oberösterreichers Rainer Hable ist nun Karin Doppelbauer Listenerste, sie saß ebenfalls schon im Nationalrat. Die spektakulärsten Zugänge sind Irmgard Griss als Nummer eins in der Steiermark sowieso als Wiedereinsteigerin die Klubobfrau im Wiener Landtag, Beate Meinl-Reisinger.

Bei der Liste Pilz sticht aus den Landeslisten die bisherige SPÖ-Abgeordnete Daniela Holzinger hervor, die in Oberösterreich den Platz an der Sonne hat. Bei der Freien Liste Österreich des Ex-Freiheitlichen Karl Schnell versucht sich die ebenfalls Ex-FPÖ-Funktionärin Barbara Rosenkranz in Niederösterreich, die vormalige Team Stronach-Mandatarin Martina Schenk steht in der Steiermark an der Spitze, Ex-BZÖ-Generalsekretär Rainer Widmann in Oberösterreich.

Interessantes Detail: Was die weiblichen Landesspitzenkandidaten angeht, stehen die Grünen mit sechs an der Spitze. Dahinter folgt schon die ÖVP mit fünf. Bei der SPÖ haben es dagegen nur zwei Frauen auf Platz eins geschafft.


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