Mali: „Handabschneider“ von Gao zu zehn Jahren Haft verurteilt

Bamako (APA/AFP) - Der Polizeichef während der islamistischen Herrschaft im malischen Gao ist wegen seiner Gewalttaten zu zehn Jahren Haft v...

Bamako (APA/AFP) - Der Polizeichef während der islamistischen Herrschaft im malischen Gao ist wegen seiner Gewalttaten zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Aliou Mahmar Toure, der als „Handabschneider“ von Gao Bekanntheit erlangte, wurde am Freitag von einem Gericht in der malischen Hauptstadt Bamako aller ihm zur Last gelegten Verbrechen schuldig gesprochen.

Allerdings erkannte das Gericht „strafmildernde Umstände“ an. Angeklagt wurde Toure unter anderem wegen Gefährdung der staatlichen Sicherheit und schwerer Körperverletzung, jedoch zum Unmut von Menschenrechtsorganisationen nicht wegen Folter oder Kriegsverbrechen. Toure war Polizeichef in Gao, der größten Stadt im Norden Malis, als die Jihadisten dort zwischen 2012 und 2013 herrschten. 2013 wurde er von der malischen Armee gefangen genommen.

Toure wird vorgeworfen, er habe Dieben die Hand abgeschnitten und Frauen, die nicht wie vorgeschrieben verschleiert waren, öffentlich ausgepeitscht. „Das war ich nicht. Das waren die mauretanischen, algerischen und sahrauischen Jihadisten, die die Hände abschnitten“, hatte Toure bei seiner einzigen Anhörung beteuert. Der Prozess dauerte nur einen Tag.

Der Präsident der Malischen Vereinigung für die Verteidigung der Menschenrechte, Moctar Mariko, der einige Zivilkläger in dem Verfahren vertrat, bezeichnete die zehnjährige Haftstrafe als zu milde. „Ich hätte doch eine schwerere Strafe erwartet“, erklärte er.

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Toures Anwalt Tiessolo Konare erklärte hingegen, die Verurteilung seines Mandanten gründe sich nicht auf unwiderlegbare Beweise. Toure habe nicht zur ersten Garde der Jihadisten gehört. Führende Jihadisten seien hingegen noch auf freiem Fuß.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt, mehrere islamistische Gruppierungen brachten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Jänner 2013 militärisch ein. Sie wird inzwischen von der UN-Mission unterstützt.


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