Libanesische und syrische Armee beginnen Offensive gegen IS

Der IS kontrolliert im Osten des Libanon Gebiete am Rand der Grenzstädte Ras Baalbek und Al-Kaa. Die Extremisten haben noch immer neun libanesische Soldaten in ihrer Gewalt, die sie bei Gefechten mit der Armee im Jahr 2014 gefangen genommen hatten.

Im Libanon hat eine Offensive gegen den IS begonnen.
© REUTERS

Beirut – An der libanesisch-syrischen Grenze haben am Samstag die Armeen beider Länder zeitgleich Stellungen der Extremistenmiliz IS angegriffen. Das syrische Militär startete seine Offensive gemeinsam mit der verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz, wie diese mitteilte.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die heimische Armee gehe nahe der Stadt Ras Baalbek mit Raketen, Artillerie und Hubschraubern gegen IS-Kämpfer vor. Hinter der Grenze auf syrischer Seite wurden die Islamisten von den Truppen Syriens und der Hisbollah attackiert. Die IS-Kämpfer haben sich in einer Enklave auf libanesischem Gebiet verschanzt. Ihre Zahl wird auf Hunderte geschätzt.

Der Militäreinsatz nahe der Grenze zu Syrien sei „im Namen des Libanon, der gefangenen Soldaten und des Blutes der Märtyrer“ gestartet worden, erklärte der libanesische Armee-Chef Joseph Aoun am Samstag über Twitter.

Heftige Bombardierungen

Die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, die Armee beschieße IS-Positionen mit Artillerie. Anwohner berichteten, in der Region seien heftige Bombardierungen zu hören.

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Der IS kontrolliert im Osten des Libanons Gebiete am Rand der Grenzstädte Ras Baalbek und Al-Kaa. Die Extremisten haben noch immer neun libanesische Soldaten in ihrer Gewalt, die sie bei Gefechten mit der Armee im Jahr 2014 gefangen genommen hatten. Die Kämpfer stammen ursprünglich aus Syrien und haben den Libanon über die Jahre infiltriert.

Die libanesische Armeeführung erklärte, Ziel sei es, den IS zu zerstören und das Gebiet bis zur Grenze mit Syrien wieder einzunehmen. Nach Militärangaben befinden sich dort rund 600 Kämpfer der Terrormiliz.

In der Grenzregion um den Ort Arsal hatten sich bis vor Kurzem neben IS-Anhängern auch Kämpfer des syrischen Al-Kaida-Ablegers Tahrir al-Sham sowie andere Rebellen aufgehalten. Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah begann im vergangenen Monat eine Offensive gegen den Al-Kaida-Ableger. Mehr als 1000 Kämpfer der radikalen Gruppe zogen schließlich Anfang August nach einer Waffenruhe Richtung Syrien ab. Auch die anderen Rebellen gingen über die Grenze ins Nachbarland.

Eine Million Flüchtlinge im Libanon

Die vom schiitischen Iran finanzierte Hisbollah unterstützt im Bürgerkrieg die syrische Regierung. Ihre Mitglieder kämpfen an der Seite von Regierungstruppen gegen Rebellen und IS-Extremisten.

Der Libanon und Syrien haben historisch gewachsen enge Verbindungen. Der Syrien-Konflikt schwappt seit seinem Ausbruch im Frühjahr 2011 immer wieder über die Grenze. In dem Staat am Mittelmeer haben nach UN-Angaben mehr als eine Millionen syrische Flüchtlinge Zuflucht gefunden. Für das kleine Land mit rund sechs Millionen Einwohnern stellt das eine schwere Belastung dar.

Ein Sprecher der libanesischen Armee sagte, die Offensive sei nicht mit Hisbollah und Syrien abgesprochen. Ein Kommandant der mit der syrischen Regierung verbündeten Militärallianz äußerte hingegen, „selbstverständlich“ gebe es eine Abstimmung. Eine gemeinsame Militäraktion wäre politisch heikel, denn sie könnte die umfangreiche Militärhilfe der USA für den Libanon gefährden. Die Regierung in Washington betrachtet die vom Iran unterstützte Hisbollah als Terrororganisation. (APA/Reuters/dpa)


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