Von Chruschtschow bis Macron: Weltpolitik in der Mozartstadt 1

Salzburg (APA) - Das Treffen der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Tschechien und der Slowakei mit Bundeskanzler Christian Kern (S...

Salzburg (APA) - Das Treffen der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Tschechien und der Slowakei mit Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) am kommenden Mittwoch dürfte im festspielerprobten Salzburg fast als Routineübung gelten. Auch wenn Österreich am diplomatischen Parkett nicht mehr die Rolle spielt wie früher: In der Mozartstadt wurde in der Vergangenheit mehrfach große Europa- und Weltpolitik gemacht.

Zum ersten Mal hochrangigen Besuch aus einer Supermacht erhielt Salzburg im Juli 1960. Der sowjetische Ministerpräsident Nikita Chruschtschow zeigte sich damals besonders angetan vom neuen Festspielhaus. „Dieses Theater hat mir so gut gefallen, dass ich sowjetische Baufachleute herschicken werde, damit sie es studieren“, sagte er. Während seiner wenige Stunden dauernden Visite ließ er zudem keine Gelegenheit aus, den Schaulustigen in der Innenstadt auf Deutsch den Arbeitergruß „Freundschaft“ zuzurufen.

Um einiges ernster ging es zu, als US-Präsident Richard Nixon am Höhepunkt des Vietnam-Krieges im Mai 1972 auf dem Weg nach Moskau einen 36-stündigen Zwischenstopp in Salzburg einlegte. Wegen gewalttätiger Demonstrationen von Kriegsgegnern auf der Rollbahn drohte der Besuch zu platzen. Die Präsidentenmaschine musste mehrere Minuten über dem Flugplatz kreisen, bis die Polizei die Nixon-Gegner mit Gummiknüppeln unter Kontrolle gebracht hatte. Peinlich für den damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky: Sein Sohn Peter war einer der Anführer der Demonstranten, die Nixon als „Mörder“ beschimpften.

Nixon war trotzdem voll des Lobes für Salzburg und seinen Gastgeber Kreisky, den er als „einen der führenden Staatsmänner der Welt“ bezeichnete. Im Juni 1974 - zwei Monate vor seinem Rücktritt als Folge der Watergate-Affäre - machte der US-Präsidenten erneut an der Salzach Station, bevor er zu Nahost-Gesprächen nach Kairo reiste. Nixon wollte wohl die Meinung des wegen seiner Vermittlungsversuche im israelisch-palästinensischen Konflikt weltweit angesehenen Bundeskanzlers Kreisky einholen.

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Als glattes Parkett stellte sich Salzburg für Nixons Nachfolger Gerald Ford heraus, der Anfang Juni 1975 in der Salzach-Metropole mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat zu einem Gipfeltreffen zusammentraf. Der US-Präsident stürzte beim Verlassen des Flugzeugs spektakulär die Gangway herunter und stolperte im Laufe des Gipfels noch zwei Mal, wobei ihn einmal nur ein kräftiger Griff des ägyptischen Präsidenten vor einem Sturz bewahrte. Politisch war der Gipfel ein Erfolg, führte er doch zu einer ersten Annäherung zwischen Ägypten und Israel, das acht Jahre zuvor die Sinaihalbinsel besetzt hatte.

Das freundschaftliche Verhältnis von Sadat und Kreisky sollte Salzburg noch mehrere hochkarätige Nahost-Treffen bescheren. Im Februar 1978 konferierte der ägyptische Präsident mit dem israelischen Oppositionsführer Shimon Peres in der Mozartstadt, im Juli traf er dort während einer einwöchigen Sommerfrische überraschend den israelischen Verteidigungsminister Ezer Weizmann. Sadat lobte seine Salzburger Gespräche als „gutes Omen“ für die Verhandlungen mit Israel. Zwei Monate später schlossen die beiden Staaten mit dem „Camp-David-Abkommen“ Frieden.

Im April 1978 konstituierte sich im Schloss Kleßheim die Europäische Demokratische Union (EDU) als Zusammenschluss von zunächst zehn christdemokratischen und konservativen Parteien. Die damalige britische Oppositionsführerin Margaret Thatcher, die ein Jahr später Premierministerin werden sollte, wertete dies als „Anfang einer erfolgreichen Entwicklung für Europa“ und einen Gegenpol zur Sozialistischen Internationalen. Tatsächlich stand die erste Hälfte der 1980er Jahre im Zeichen einer konservativen Revolution, in deren Zuge der Einfluss sozialdemokratischer Ideen immer mehr zugunsten einer wirtschaftsliberalen Politik zurückgedrängt wurde. Mit den EU-Erweiterungen verlor die EDU allerdings zunehmend politisches Gewicht - etwa an die Europäische Volkspartei - und stellte 2002 ihre eigenständigen Aktivitäten ein.


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