„Painted Ruins“: Grizzly Bear melden sich einnehmend zurück - Popnews

Wien (APA) - *...

Wien (APA) - *

Wenn kleine, verschrobene Indie-Bands plötzlich im Rampenlicht stehen, kann das eigenartige Züge annehmen. Mit „Shields“ hat die US-Gruppe Grizzly Bear vor ziemlich genau fünf Jahren Szenekreise überwunden, man wurde plötzlich wahrgenommen. Die logische Konsequenz im Musikzirkus würde eigentlich lauten, diese Chance zu nutzen und bald etwas nachzuschießen. Genau das haben Sänger Ed Droste und Kollegen aber nicht gemacht, sondern sich Zeit gelassen. Jetzt, nach einer Abkühlphase sozusagen, liegt mit „Painted Ruins“ eine neue Platte vor, und die präsentiert sich eigenwillig wie eh und je, dabei von schillernder Schönheit. „Unsere Alben hört man nicht und liebt sie sofort, es dauert schon etwas länger“, erklärte Droste gegenüber „Pitchfork“. „Sie entfalten sich, man entdeckt Dinge.“ Dem nicht zuzustimmen, fällt schwer. Etwa, wenn man „Four Cypresses“ hört, ein sich stetig steigender Rausch an Farben und Geräuschen, geradezu hypnotisch. Oder man versinkt in den 80er-Verneigungen des „Mourning Sound“. Grizzly Bear sind wieder da, so einnehmend und fordernd wie zuvor. Vielleicht bemerkt man jetzt erst, wie sehr man die Gruppe vermisst hat.

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Sie machen ein ganz schönes „Bahö“: Vor zwei Jahren trat die oberösterreichische Folkshilfe massentauglich in Erscheinung, es ging um die Vorausscheidung für den in Wien stattfindenden Eurovision Song Contest. Nachdem es das Trio zwar unter die letzten sechs Kandidaten schaffte, beim großen Wettbewerb dann aber doch zuschauen musste, ging es weiter mit der Karriere. „Mit F“ lautete der Titel des durchaus ansprechenden Debüts, das der nicht ganz neuen Mischung aus Volksmusik und Pop einen eigenen Touch geben sollte. „Wir sind keiner Szene zugehörig“, meinte Ziehharmonikaspieler Florian Ritt damals. Und auch mit dem Zweitling, der sich als eingangs erwähntes „Bahö“ versteht und ab 25. August in den Läden steht, scheinen die Musiker diese These untermauern zu wollen. Ziemlich spielerisch mit verschiedenen Rhythmen hantierend, gesangstechnisch gerne auf Mehrstimmigkeit setzend, ist man wohl fürs Zeltfest zu cool und die Festivalbühne zu speziell. Songs wie „Biniwer“ oder „Sheriff“ haben aber durchaus Charme, bedienen sich beim Reggae ebenso wie im Hip-Hop. Im Herbst werden die Songs u.a. in Kufstein (15.9.), Scheibbs (16.9.), Graz (11.10), Salzburg (12.10.) und Wien (19.10.) vorgestellt.

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„Exile In The Outer Ring“ hat Erika M. Anderson ihr neuestes Werk getauft, das kommenden Freitag erscheint. Die Musikerin, die als EMA mit bisher zwei Alben („Past Life Martyred Saints“ von 2011 und „The Future‘s Void“ von 2014) bleibenden Eindruck hinterlassen hat, präsentiert sich darauf nach wie vor als sperrige Außenseiterin, die lieber den Finger in die Wunde legt, als sich mit einfachen Fragen (oder gar Antworten) zufriedenzugeben. Das hat in der klanglichen Ausprägung durchaus etwas von Selbstausbeutung, die sphärischen Arrangements treffen hier mal auf fragile Vocals kurz vorm emotionalen Kollaps, dann wieder harsche Schreie. Der Noise früherer Tage ist teils zurückgekehrt, wenn auch Songs wie „I Wanna Destroy“ nicht nur auf Effekthascherei setzen. Mit „Aryan Nation“ findet sich außerdem ein Titel, der gesellschaftliche Entwicklungen in den USA höchst schmerzhaft vor Augen führt. Live ist EMA am 12. Oktober in der Wiener Arena zu erleben.

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